Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1910) Meine Reise durchs Eweland
Entstehung
Seite
87
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VI. (Line Jubilarin.

1. Ho im Alltagsgervand.

Ja, Herr Inspektor, das ist aber ganz anders," so begrüßte mich Missionar Spieß am 2Z. November nachmittags auf dem Wege zwischen Nyive und Ho, als ich, um wenigstens etwas von dem Alltagstreiben in Ho zu sehen, nach einem kurzen Abstecher nach f>alime und Misahöhe im Geschwindmarsch auf Ho zueilte und infolgedessen weit eher kam, als man erwartet. Wenn ich durch mein früheres Eintreffen den mir zugedachten Empfang gestört habe, so reut es mich nicht. Missionar Spieß benutzte sofort sein schnelles Rad, um vor mir herzueilen, überall die heidnischen Häupt­linge und die Christen zu meiner Begrüßung auf die Beine zu bringen und selbst in Ho seine Anordnungen zu treffen. Dazu blieb ihm Zeit genug. Ich freute mich indessen, wie das große Ereignis des fünfzigjährigen Jubiläums seine Schatten vorauswarf, indem überall die Leute damit beschäftigt waren, die schönen, breiten Wege wieder ganz in Ordnung zu bringen, da sowohl der Gouverneur wie Regierungsrat Dr. Grüner ihr Erscheinen zum Fest zugesagt hatten.

Eh' wir in Ho eintrafen, hatte ich in Akuewe noch einen seltsamen Anblick. Zwei Zauberer bemühten sich, einer Frau von ihrer Arankheit zu helfen. Einer hatte eine mit Steinen oder Erbsen gefüllte Aalebasse. Die schwang er und klapperte und sang dazu in einförmigem Ton. Sein Gefährte, dessen auffallendsten Schmuck eine mit Hörnern verzierte Mütze bildete, leistete ihm mit tieferer Stimme Gesellschaft. Beide liefen hinter der Frau her. Der mit der Mütze riß Blätter vom Wege, legte sie aus einen Stein, den er in der Hand trug, spie darauf und meinte so, der Rrankheit Herr zu werden. Die Aranke trug auf Brust und Rücken je eine dicke mit Aauri- Muscheln besetzte Augel und in der Hand eine Schale mit Flüssigkeit. So bewegte sich der Zug durch die Dorfstraße, im Abenddunkel doppelt geheimnisvoll für die umstehenden Heiden, für die Christen ein Gegenstand des Gelächters, für uns eine drastische Darstellung heid­nischer Rurpfuscherei unter einein bemitleidenswerten Volke.