Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1910) Meine Reise durchs Eweland
Entstehung
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Die große Schwierigkeit, für unser kleines englisches Gebiet Lehrer zu bekommen, die in unserm Geist unterrichten, hat dazu geführt, dies Seminar einzurichten. Ist's auch unscheinbar und wegen der Überfülle von Arbeit, die auf dem Stationsmissionar ruht, fast aus­schließlich dem eingebornen Seminarlehrer Lawoe anvertraut, so leistet es uns doch einen wichtigen Dienst, und wir möchten es nicht ent­behren. Es zählt nur sieben Schüler, aber sie arbeiten fleißig und leisten Gutes, auch wo sie plötzlich vor unvermutete Aufgaben gestellt werden. Sie müssen sich allerdings auch zusammennehmen, wenn sie in der kurzen Zeit den reichen Stoff bemeistern sollen, den ein künftiger Lehrer beherrschen soll. So freuen sie sich, wenn wir auch sie in ihrer Arbeit kurz aufsuchen und begrüßen.

4. Die Gemeinde in Reta.

Als ich in Aeta weilte, stand der Bezirk unter der Verwaltung des Äommissioner Dr. H. Tarlow. Leider ist mein Besuch wohl der letzte gewesen, den dieser treffliche Mann empfangen hat. Ein unheimliches Aopfleiden, bei dem er zeitweilig völlig die Besinnung verlor, hatte ihn tropenuntüchtig gemacht und so stand er im Begriff, Reta zu verlassen. Er hatte viel für die Stadt getan, schöne Straßen angelegt und mit Kanalisation versehen und Brunnen gegraben und sich dadurch um Gesundheit und Wohlfahrt der Aetaer große Ver­dienste erworben. Schade, daß er so plötzlich den Dienst aufgeben mußte. Seine freundliche Stellung zur Mission war den Missionaren sehr wertvoll. Um so lieber ist mir's, daß ich ihm noch meinen Besuch machen konnte.

An diesen Besuch schlössen sich eine Reihe anderer, bei an­gesehenen Eingeborenen. Zuerst ging ich zum Stadtoberhaupt, dem Amega Gklu. Auf einer wackligen Treppe, an' deren Ende ein blinder Spiegel und eine große bunte Holzpuppe (offenbar vom Schmuck eines gestrandeten Schiffes) uns fast erschreckten, kamen wir auf den schmalen Flur und dann in die große Gerichtshalle, ein Zimmer von etwa fünf Meter im Geviert und drei Meter Höhe mit einem mächtigen Tisch in der Mitte. Ein Aorbstuhl, umgekippt, mit der Inschrift Madeira, war das Zeichen der Häuptlingswürde. Ein Sprachrohr führte in die Tiefe, um die streitenden Parteien zu rufen. Eine Bank vertrat die Stelle des Sofas, krasse Bilder an