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haben schon oft Anlaß zu Unruhen gegeben. Die reicheren Kaufleute und die wohlhabenden Notablen, die sich in den Konzessionen als politische Flüchtlinge niedergelassen haben, sind naturgemäß ein ruhigeres Element, mit dem man auch leichter auskommt. Gerade der Umstand aber, daß die in den Konzessionen ansässige Chinesenschaft, die sich während der Revolution ebenso wie in den Kolonien wieder um viele angesehene Leute vermehrte, wird auch den Fremden vielleicht bald die Verpflichtung auferlegen, mehr als bisher den Einheimischen Anteil an der Verwaltung zu gewähren, wenn auch der Charakter einer Art Enklave im chinesischen Gebiet beibehalten werden soll. Die Berührung von Fremden und Einheimischen wird in den in China gelegenen Konzessionen — die koreanischen haben ihre Rolle ja schon ausgespielt — voraussichtlich noch zunehmen, und damit auch der kulturelle Einfluß, der aus diesen Beziehungen erwachsen muß.
Das Leben der Fremden in den Konzessionen hat so viel Gemeinsames mit dem der internationalen Niederlassungen, das ich im folgenden Kapitel von beiden gleichzeitig sprechen möchte. —
Den Konzessionen ist, wie ich gezeigt zu haben glaube, auch eine Rolle in der kulturellen Bewegung zugefallen, die durch die Westländer in Ostasien angeregt wurde. Es ist aber zu bemerken, daß diese Rolle nicht mit der Rechtsform der Konzessionen zusammenhängt, sondern lediglich an ihren Charakter als geschlossene Siedelungen der Angehörigen fremder Kulturkreise geknüpft ist. Das Gedeihen dieser Art von Siedelungen, die sich den Kolonien als nächste Verwandte an die Seite stellen, hat es mit sich gebracht, daß auch ihre kulturelle Wirksamkeit die der Kolonien unterstützt. Aber da alle Siedelungen westländischer Art in Ostasien nur einen Teil der Erscheinungen aufweisen, die für die hier in Rede stehenden kulturellen Fragen in Betracht kommen, wie sie auch politisch nur ein Teil der Stellung sind, die die Mächte in Ostasien einnehmen, so können natürlich auch die Konzessionen nur im Zusammenhang mit allen anderen Vorgängen und Tatsachen bewertet werden, aus dem sie für die vorliegende Darstellung gelöst wurden.
8. Schluß.
Die Konzessionen stellen eine Art moderner Faktoreien dar, die den fremden Mächten in China und Korea für ihre Angehörigen eingeräumt sind, damit diese sich unter eigener Verwaltung, eigenem Recht und eigener Siedlungsweise ungestört ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit widmen können. Dieser Annahme entspräche es, daß keine