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Hafenkolonien und kolonieähnliche Verhältnisse in China, Japan und Korea : eine kolonialpolitische Studie / von Ernst Grünfeld
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an der Antung-Mukden-Linie ist ein chinesisch-japanisches Unter­nehmen, das aber selbstverständlich in Abhängigkeit von der Bahn geraten mußte, da diese ja über die Verkehrsmittel der Südman­dschurei gebietet und selbst Kohlen fördert. Daher hat auch Pen- chihu den Verkauf der Kohle für die Mandschurei an die Bahn abgetreten, die dadurch vor Konkurrenz in ihrem Herrschaftsgebiete gesichert ist 1 ).

Die Japaner in Korea, die heute auch den Handel ihrer Kolonie ganz in Händen haben, waren bei ihren Geschäften früher ganz auf ihre Konzessionen angewiesen. Erst später konnten sie diese ver­mehren und auch andere Ansiedlungen anlegen, doch stehen die großen Banken und Geschäftshäuser eigentlich heute noch auf dem Boden oder in nächster Nähe der Konzessionen und Ansiedlungen.

7. Die kulturelle Seite.

Wie bei den Kolonien soll auch hier der Versuch unternom­men werden, die mittelbar und unmittelbar ausgeübten kulturellen Wirkungen zu verfolgen, die von den fremden Ansiedlungen aus­gehen, und einige Blicke auf die gesellschaftlichen Erscheinungen zu werfen, die das gemeinsame Leben der Eingeborenen und Fremden in den Konzessionen zeitigt.

Die Konzessionen selbst stellen sich keine kulturelle Aufgabe in bezug auf die Chinesen oder Koreaner in ihrem Bezirke, denn sie fühlen sich lediglich als Gemeindeverwaltungen und erheben Abgaben nur für die ihnen für ihre Einwohner nötig erscheinenden Einrich­tungen. In den meisten Fällen sind sogar die Mittel zu Schulen für die europäischen Kinder so schwer zu beschaffen, daß man die Erhaltung dieser Schulen besonderen Schulvereinen überläßt und sich manchmal nach Unterstützung von daheim umsieht. In Tientsin z. B. besteht ein englischer Schulverein, in Hankau ein

x ) Literatur über die wirtschaftlichen Verhältnisse der besprochenen Gebiete, auf die hier nicht unmittelbar eingegangen werden konnte: Deutsche und englische Konsular­berichte, die Berichte der chinesischen Seezollämter und der internationalen Handelskammern, das bereits angeführte Werk »Twentieth Century Impressions etc.«, London, 1908. Das ausgezeichnete Buch von H. B. Morse, The trade and administriation of the Chinese Empire, Schanghai, Hongkong etc., 1908. Sir Robert Hart, Bart. -»These from the land of Sinnimv., London, 1901, besonders Kap. 2. H. Schumacher, »Die Organi­sation des Fremdhandels in China« in Schmollers Jahrbuch N. F. XXIII, 1899, und »Die chinesischen Vertragshäfen, ihre wirtschaftliche Stellung und Bedeutung« in den Conrad- schen Jahrbüchern, III. Folge, Bd. XVI, 1898, S. 57797, 72193, Bd. XVII (1899), S. 5570, 289331.