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Hafenkolonien und kolonieähnliche Verhältnisse in China, Japan und Korea : eine kolonialpolitische Studie / von Ernst Grünfeld
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Bemerkenswert sind die Wohlfahrtsanstalten der Bahn, besonders die Krankenhäuser, deren sie in der Mandschurei eine große Anzahl unter­hält, sowie die Schulen. Die wichtigsten Bahnstädte sind Mukden, Niutschwang und Antung, wo sich große, ja großartige Arbeiter­kasernen, Beamtenwohnhäuser und große Spitäler befinden, daneben auch solide Unterkünfte für die dort stationierten japanischen Truppen und geräumige Bahnanlagen. In ihrer Neuheit und Unmittelbarkeit, mit der sie aus der sonst kahlen Umgebung herauswachsen, nehmen sich diese Bauten alle wie Kasernen auf dem flachen Lande aus, und Japan hätte sicherlich keine Schwierigkeiten, vorkommendenfalls größere Truppenmassen dort unterzubringen und zu verpflegen. Alle Bauten und Anlagen sind so reichlich bemessen und ausgerüstet, daß das japanische Mutterland, wo man mit dem Geld viel sparsamer um­gehen muß, Grund zum Neide hätte. Jedenfalls steht Japan in den Augen der Reisenden und wohl auch Chinas viel besser da als Rußland, das sich in seiner Bahnzone keine so stattlichen und vor allem keine so sauberen Anlagen geleistet hat. Charbin, die größte unter ihnen, ist eine slavische Provinzstadt, die den Habitus der Ansiedlungen Russisch-Asiens zeigt.

Von den Konzessionen in Korea kann man eigentlich nicht sprechen, ohne ihren Zusammenhang mit den sie umgebenden Städten zu erwähnen. Insbesondere die chinesischen Konzessionen sind zu klein, als daß sie sich gesondert beschreiben ließen. Auffallend ist, daß die japanischen Niederlassungen in Korea ganz das Bild japa­nischer Städte wiedergeben: Holzhäuser, schmale Straßen, die euro­päischen Häuser nur in der billigen Ausführung, wie sie in Japan heute üblich ist. Hier in Korea war es eben der einzelne, der baute; in der Mandschurei hingegen liegt alles in den Händen eines großen Organismus, der südmandschurischen Bahn. Die Gebäude der größeren Firmen, die in Tientsin und Hankau auffallen, verschwinden hier in der Menge kleiner Häuser 1 ).

2. Rechtsverhältnisse.

Die Rechtsverhältnisse der Konzessionen sind ziemlich unklar und selbst den beamteten Fremden in Ostasien oft unbekannt. Cordier stellt in seinem oben angeführten Werk die Ausdrücke

1 ) Die Stadtpläne der wichtigeren Konzessionen wiederum im Hongkong directory und in Meyers Weltreise; eine Reihe von Ansichten und Angaben in dem Buch European Settlements in the Far East, London, 1900; die Angaben, deren Quelle in diesem und den folgenden Abschnitten nicht besonders vermerkt sind, beruhen meist auf persönlichen Informationen und Erfahrungen.