Die „Achtung vor der Arbeit".
23
gehen, der den Scheinwerfer der Wahrheit nicht vertrügt, aber es ist besser so, als wenn die auf diesen Träumen aufgebauten Existenzen zum Elend zerkrümeln.
Die „Acktung vor cler Arbeit".
Da ist vorerst einmal das erhebende Wort von dem „Adel der Arbeit", von der „hohen Achtung", die — „im Gegensatz zu Deutschland" — die arbeitende Frau hier in Amerika angeblich genießt! Deutsche Frauenzeitungen preisen diesen schönen Zug in allen Tonarten — „wie weit ist Deutschland gegen uns ,bessere' Menschen doch zurück!"
— Ich aber rufe Tausende meiner gebildeten Landsmänninnen hier im Lande zu Zeugen auf, ob sie von diesem schönen Zuge jemals etwas gemerkt haben! Die arbeitende Frau auf der Höhe — ja! Die in der Tiefe ringende, die inmitten der Brandung des Lebens noch nach einem festen Fleckchen sucht, auf dem sie Fuß fassen könnte
— nein! Die Frau, die arbeiten muß, um nur leben zu können, die verschwindet in der Menge, taucht unter in dem großen allgemeinen Getriebe! Eher zieht man den Hut vor der, die da arbeitet, trotzdem sie es nicht nötig hat, und die recht wohl ihreu ärmeren Schwestern das Stückchen Brot überlasseu könnte — eine gänzlich auf den Kopf gestellte Ordnung der Dinge! .Und diese beruht in dem ganz und gar auf Äußerlichkeiten gestellten Frauenkultus des amerikanischen Volkes, der allerdings drüben im lieben Vaterlande gebührend idealisiert wird!
Die Frau an sich, ob sie arbeitet oder nicht, wirke sie segensreich, sei sie eine Drohne, gebiete sie über inneren Wert oder sei sie hohl wie eine taube Nnß, wird hoch-