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Denkschrift zur Förderung des Deutschtums in China / Deutsche Vereinigung Schanghai
Entstehung
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Anlage 10.

Hetzartikel desEastern Engineering"

(Märznummer 1913).

Chinesische oder englische Ignoranz.

Die Leute in London, Paris, Berlin oder New York mögen über die ein­fältigen Chinesen lachen, die ihr Vertrauen auf deutsche Militärinstrukteure und deutsches Kriegsmaterial setzen. Sie können ein Beispiel nach dem andern anführen, wo ein solches Vertrauen den Sturz der Reiche herbeigeführt hat. (Wahrscheinlich meint derEastern Engineering" die Erfahrungen, die Japan mit seinen deutschen Lehrmeistern im Krieg gegen Rußland gemacht hat. Anmerkung des Ubersetzers.) Die überzeugendsten Beispiele sind die letzten, wo das türkische Heer, das von deutschen Offizieren ausgebildet war, die dem Namen nach von der Türkei bezahlt wurden, tatsächlich aber in deutschem Solde standen, von einem Feind vernichtet worden ist, der im Vergleich mit der Türkei als quantite negligeable angesehen worden war. Aber die Türkei hatte nicht nur die Ausbildung ihrer Soldaten Deutschland zu danken, sondern auch ihre Waffen und ihre Munition. Wahrscheinlich hat die Geschichte noch nie ein erbärmlicheres und verächtlicheres Schauspiel erlebt, als die Türkei, die sich mit den hölzernen Kugeln und den nicht krepierenden Geschossen verteidigen wollte, die in Deutschland hergestellt worden sind.

Uber das Verhalten der deutschen Offiziere, die die türkischen Truppen befehligten, wollen wir gar nicht reden. Aber man kann schon annehmen, daß sie besser als die unglücklichen Türken darüber unterrichtet waren, wie wertlos die Waffen und die Munition der von ihnen befehligten Truppen waren. Es hieße einen überflüssigen Heldenmut von diesen deutschen Offizieren verlangen, wenn man von ihnen erwarten wollte, daß sie sich den Kugeln aussetzten, wo sie wußten, daß die Truppen unter ihnen keine Möglichkeit der Wieder­vergeltung hatten.

Ein ähnliches Schicksal steht unfraglich China bevor, wenn es nicht die Notwendigkeit erkennt, seine deutschen Militärinstrukteure und sein deutsches Kriegsmaterial aufzugeben, ehe es in einen ernsten Krieg verwickelt wird. China hat ja selbst seine Erfahrungen mit deutschem Kriegsmaterial während der letzten Revolution gemacht. Wir brauchen uns darüber nicht weiter zu verbreiten, wie die Beschaffenheit der deutschen Waffen und der deutschen Munition, die von Deutschen heimlich den kaiserlichen Truppen geliefert waren, ihren Zusammenbruch herbeigeführt haben, wenn auch kein Anlaß da ist, daß sie besser gewesen sind, als die von den Deutschen den Türken offen gelieferten.

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