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Fürst Bismarck und die Kolonialpolitik / von Kurt Herrfurth
Entstehung
Seite
84
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>iapilel III,

Die tolonwlpolitischen Anschauungen des Fürsten Vismavtk.

Als Fürst Bismarck die deutsche Kvlonialpolitik in Angriff nahm, hatte er sich aus Grund seiuer eigenen Studien und der Berichte seines Dezernenten in überseeischen Angelegenheiten, v. >lnsserow, sowie der Unterredungen, die er wiederholt mit Hamburger Kausleuten pflegte^), seiue Ansichten über Kolonialpolitik gebildet und sich einen Plan gemacht, nach welchem er deutsche Kolonialpolitik zu treiben gedachte. Der Kanzler hat jedoch ein kolonialpolitisches Programm niemals im Zu­sammenhange dargelegt, vielmehr ist es notwendig, sich seine Ansichten aus den vielen und bedeutenden kolonialpolitischen Reden, die er im Lause der Jahre seit den Anfängen der deutschen Kolonialpolitik im Reichstage gehalten hat, und aus gelegentlichen kürzeren Bemerkungen zusammenzustellen.

Bismarck will den BegrissKolonie" nicht zu eng gefasst sehen. Nach seiner Anschauung braucht man nicht alles, was Kolonie" genannt wird, mit Ackerbau in Verbindung zu bringen und eine Ackerbankolonie -,u nennein evkönnen darunter auch Plantagen- kolonien mit fremden Arbeitern verstanden werden" Denn bei der Kolonialpolitik, welche Deutschland iu Afrika treiben würde, könnte von einem Ackerbau zunächst so gut wie nicht die Rede sein, sondern einstweilen nur von Handeltreibenden. (Line genaue spezialisierte Begriffseinteilung nach dem wirtschaftlichen Charakter der einzelnen Kolonien hat der Fürst aber nie gegeben; es ist dies vielleicht darauf zurückzuführen, daß er sich mit akademisch theoretischen Erörterungen auf diesem Gebiete nicht allzuviel beschäftigt, souderu sich seiue

i) Vgl. Kap. 1, S. 33.

^) Vc,l. Reichswgsrede vom 16. März 1885 (Ausübe von Horst Kohl, Bd. XI, S. 139).