Druckschrift 
Fürst Bismarck und die Kolonialpolitik / von Kurt Herrfurth
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

Kapitel II.

Die Postdampfersubventionsvorlage').

Das Projekt, den Seepostdienst des Deutschen Reiches mit Ost­asien und Australien zu heben, stand dein Fürsten Bismarck schon im ^alire 1870 vor Augen. Er hatte erkannt, daß die regelmäßigen deutschen Schiffahrtslinien nicht mehr oder überhaupt nicht imstande waren, dem überseeischen Verkehr, namentlich nach Ostasien uud Australien, zu genügen. Es war allgemein bekannt, daß infolgedessen die deutschen Exporteure behufs regelmäßiger schneller Beförderung ihre Erzengnisse englischen Linien übergeben mußten und der deutschen Rhederei dadurch beträchtlicher Gewinn verloren ging. Nicht nur, um diesen Beeinträchtigungen der deutschen Rhederei abzuhelfen, die In­anspruchnahme fremdländischer Beförderungsmittel zu vermeiden uud dein deutschen Haudel und der deutscheu Industrie neue Absatzmärkte zn erschließen, sondern auch, um die Marineverwaltung betreffs ihrer Perlnndung mit den im handelspolitischen und diplomatischen Dienst in den Gewässern fremder Weltteile befindlichen Kriegsschiffen von der viele Mißstände im Gefolge führenden Abhängigkeit vom Aus­lande zu befreien nnd durch das ueue Schiffsmaterial, namentlich in >iriegszeiten, die Leistungsfähigkeit der Marine zu erhöheu, glaubte ^iust Bismarck, deutscherseits schnell und regelmäßig fahrende Post- dampferverbindnng einrichten nnd sie mit staatlichen Mitteln unter­stützen zu sollen.

>) Literatur, vgl. Kap. I, S. 1, 'Anm. 1. Vgl. insbesondere Zlen, Berichte nnd Drucksachen des Reichstages ,864/85.

3-»°