Zur Einführung.
Die gewaltigen Schlachten, die sich während des Weltkrieges in Europa selbst abspielten, hatten zeitweilig die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes von seinen Kolonien etwas abgelenkt, und selbst von den heldenhaftenKümpfen,die unsere Schutztruppen dort gegeu die vielfach überlegenen Gegner dnrchznfechten hatten, und zum Teil noch heute bestehen umssen war infolge der feindlichen Nachrichtensperre unverhältnismäßig geringe Kuude zu uii^ gedruugeu. Auch die Gewißheit, daß in Europa die Entscheidung über die Geschicke und die künftige Gestaltung unseres Koloniebesitzes fällt, dräugte vielfach, leider oft zu Unrecht, die Beschäftigung mit unseren koloniaku Aufgaben nnd Zielen in den Hintergrund.
Das ist jetzt schnell anders geworden! Die Besprechung der Kriegsziele ist freigegeben worden und bildeu deu Mittelpunkt aller Erörterungen, die durch das allmähliche Näherkommen des Kriegsendes, des Friedensschlusses immer mehr an Wert gewinnen. Auch die feindliche Stellungnahme der überseeischen Länder hat den kolonialen Fragen verstärkte Bedeutung verliehen: Gewichtige Interessen verlangen, daß Deutschland seine Rohstoffe nicht mehr in früherem Umfange aus der Neueu Welt zu bezieheu genötigt ist. Was das Heimat- und Feindesland nicht genügend liefern kann, sollen die eigenen Kolonien hervorbringen. Das könnte für die jüngsten Gegner der Mittelmächte ein schwerer Schlag, für die wirtschaftliche Stellung Deutschlands eiu ungeheuerer Erfolg sein, und zielbewußte Entscheiduugeu erhalten schon heute die größte Tragweite.
Zur sachgemäßen Beurteilung bedarf aber jeder, der sich mit diesen Fragen beschäftigt, eines gemäßen klaren Überblicks über die Entwicklung unseres Kolonialbesitzes und die Politik, die Bismarck bei seinen grundlegenden Maßnahmen befolgt hat. Auch heute werdeu die Gesichtspunkte vom großen Statsmanne unersetzliche Aufklärung bieten.
Im Sommer 1917.
Der Verleger.