Punt-Überlieferung.
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und zwar mit einer Flotte von acht oceantüchtigen Segelschiffen. Wohin war diese Oceanexpedition gerichtet?
Bevor ich zur Untersuchung über diese Frage übergehe, Standpunkt bemerke ich, dass ich aus dem Studium des Punt-Problems Forschung, zu der Überzeugung gelangt bin, dass die ägyptische Überlieferung in den verschiedenen Jahrtausenden nicht immer ein und dasselbe Einzelgebiet versteht. Sondern bald ist diese, bald jene Gegend aus dem weiten Rahmen der Glaser'schen Kennzeichnung gemeint gewesen, und wiederholt handelt es sich ohne Frage um Gebiete am Roten Meer. Ich will mich hier darauf beschränken, zu untersuchen, ob die Expedition, welche (nach Petrie) um 1500 v. Chr. von der Königin Hat- schepsu nach Punt gesandt wurde, zu den Landschaften sich wendete, welche wir im vorigen Kapitel als das Ziel der Salomonischen Ophirfahrt festgestellt haben. Dass dieses Gebiet ein Teil des ägyptischen Pwnt war, wissen wir durch Glaser. Auch ist es an sich wahrscheinlich, dass das ägyptische Amu-Gold dieser Punt-Expeditionen aus Mashona- oder Maniealand kam, und nicht aus Shasuland, welches mehr oder weniger eine Provinz Ägyptens war, während bei Punt ausdrücklich bemerkt wird, dass die Ägypter dort zum ersten Mal erschienen. Ein drittes Eldorado aber gab es damals in Ostafrika nicht. Es ist sehr bequem zu sagen, die Reise ging nach Somaliland. Aber man weise nach, wo und wie die Ägypter aus Somaliland ihre verschiedenen Puntfrachten zusammenbringen konnten. Auch für das Puntproblem gilt der Standpunkt, den wir für die Behandlung der Ophirfrage feststellten. Wir müssen archäologische Beweise verlangen, und können uns nicht mit allgemeinen Räsonnements begnügen.
Doch ich will den Gegenstand von Grund aus behandeln, und dazu haben wir zunächst zu untersuchen, wie bei Ophir, welche Merkmale von Punt uns die ägyptische Überlieferung selbst an die Hand gibt.
Die erste Erwähnung des Landes Punt ist eine Notiz, dass Quellen, unter König Assa (3580—3536 v. Chr.)'durch Baur dedu ein Deng oder Zwerg von dort nach Ägypten gebracht sei (s. Petrie a. a. O. I, 100). Diese Mitteilung besagt für unsere Zwecke nichts, da keinerlei geographische Angabe damit verknüpft ist.