Brüderschaft mit Macombe.
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Handel um Mehl sollte unten am Fluss abgemacht werden. Ich wollte Ruhe haben in Gottes schöner Natur, in welcher ich mich von Neuem fand.
Unser schneller Aufbruch aus Misongwe war für die Nerven meiner Träger zu viel gewesen. Zwei von ihnen machten sich davon, weil sie meinten, die Audienz sei schlecht verlaufen, und die übliche Schlächterei werde beginnen. Ich fühlte, dass ich einen Fehler begangen hatte, indem ich meinem eig'nen Herzenswunsch zu eifrig gefolgt war.
Am Nachmittag fand, wie ich erfuhr, eine grosse Beratung Macombe ' !
Gegen-
in der Residenz des Macombe statt. Der Abend zog ruhig besuch, heran bei vollem Mondlicht. Ich war gerade damit beschäftigt, Spiegeleier zum Abendessen in die Pfanne zu schlagen, und sagte zu Herrn Gramann: „Jetzt wollen wir einmal einen schönen stillen Abend gemessen", als plötzlich das ,,Schädelthor" von Misongwe sich öffnete, und heraus ein wilder phantastischer Zug kam. Voran tanzende junge Mädchen, dann eine Musikkapelle, bestehend aus Trommeln, Pfeifen und Saiteninstrumenten. Darauf folgten mehrere Indunas, dann eine einzelne Figur, in der wir beim Näherkommen Macombe erkannten, hinter ihm Cuntete, Kashi und mehrere andere Grosse, im ganzen 40—50 Mann. Schnell Hess ich Pfanne und Eier wegtragen und ging Macombe entgegen bis an den Rand des Hügels, da, wo der Pfad hinaufkam. Als er zu uns gestiegen war, nahm ich ihn bei der Hand und führte ihn zum Eingang meines Zeltes, wo zwei Stühle für ihn und mich bereit gestellt waren. Herr Gramann sass auf einer Kiste neben mir. Die Menge drängte sich auf dem engen Raum um den Abhang.
Als ich diesen Besuch ankommen, teilweise antanzen, sah, hatte ich in richtiger Erkenntnis der Situation vier Flaschen Cognac herausnehmen lassen. Dieses Opfernmüssen unserer Vorräte war nicht eben angenehm, aber ich hatte mich bis zu einer gewissen Grenze bei unserer Ausrüstung in Tenje darauf vorbereitet. Macombe, ehe die Unterhaltung begann, bat sich einen Eimer aus, in welchen er die vier Flaschen Cognac goss, um ihn dann mit Wasser aufzufüllen. „Dies", sagte er, „ist für unsere Leute. Wir beiden „Grossen" wollen Champagner trinken. Ich bin gekommen, um Brüderschaft mit Dir zu trinken."
Peters, Im Goldland des Altertums. 5