88
IV. Kriegsgebräuche.
dem sie die Kraft zu dem ziemlich wenig vorbereiteten und nur mit einem Teile ihrer Streitkräfte ausgeführten Überfall auf die Zelewski-Expedition schöpften.
Die Wahehe, die mir während des Aufstandes 1905/06 Hilfskriegerdienste leisteten, in ihrer historischen Kriegführung zu beobachten, hatte ich erst im weiteren Verlauf des Krieges Gelegenheit. Die Wahehe-Führer mit ihrer Umgebung, die ja zu allermeist mitverschworen waren, waren stark zwangsweise, um sie unschädlich zu machen, meinerseits mitgenommen worden. Da sie noch im Anfang fest an die Zauberwirkung der Verschwörer glaubten und mit Recht fürchteten, in Feindes Hand fallend, als Verräter behandelt zu werden, klebten sie zunächst an der Truppe und waren dieser nur eine Last. (Die auf sich genommen zu haben sich aber nachher sehr bezahlt machte.) Als sie später allmählich mehr hineinkamen, vor allem Vertrauen zum Erfolg unserer Waffen und die Überzeugung des mißlingenden Aufstandes gewonnen hatten, als sie auch wieder verschiedentlichen Gewinn hatten, kehrte ihre alte kriegerische Tüchtigkeit zurück, und bot namentlich eine Unternehmung nach Nordosten hin, gegen aufständische Wassagara, mit einer ganz geringen Askari-Truppe, unter vollster Ausnutzung zahlreicher Wahehe- Hilfskrieger ein ganz klassisches Bild alter Wahehe-Kriegführung. Die ins einzelne gehende Arbeit, das Entziehen jeden gegnerischen Subsistenzmittels, das die an Zahl ja stets geringe Truppe nie allein kann, und ohne das ein ostafrikanischer Krieg niemals zu Ende kommt, das gänzliche Räumen des feindlichen Gebietes allein durch den breiten, alles findenden, alles zerstörenden, alles wegnehmenden Vormarsch wurde allerdings seitens der Wahehe so gründlich, fast möchte man sagen, so peinlich ausgeführt, daß es wohl verständlich erscheint, welches Grauen und welche widerstandslose Flucht bei den meisten Stämmen das Signal von dem Anmarsch eines Wahehe-Heeres gezeitigt hat. Der Führer der Hilfskrieger war ein früherer Berater Quawas, der seinerzeit jedoch rechtzeitig den Übergang zu den Deutschen gefunden hatte, der jetzt mit dem Sultanat Utzungwa belohnte Mhehe-Häuptling Mnyaulambo gen. Mtakki („Mutake", nach seiner eigenen Erklärung von ,,-taka", d. h, er, nämlich der Sultan, verlangt mich, braucht mich). Dessen lautlose geschickte Befehlsgabe an die anderen Häuptlinge war gleich bewundernswert wie die genaue Ausführung durch diese.
Rückmarsch wie Vormarsch bzw. wie oben ausgeführt. Das Heer blieb in der Marschformation, solange es im feindlichen Lande war bzw. auch noch im eigenen, solange es eines Zusammenstoßes mit dem Feinde noch gewärtig sein konnte. Erst nach Ausschluß jeder Gefahr löste es sich auf,'dann aber auch vollständig durch Abmarsch geraden Weges in die einzelnen Heimatsorte.
7. Gefecht.
Allgemeines. Trotzdem zum großen Teil die Wahehe Hochlandsbewohner sind, lieben sie den Krieg in diesem oder gar im Gebirge nicht. Grund hierfür ist wohl hauptsächlich, daß die hochgelegenen