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Die Wahehe : ihre Geschichte, Kult-, Rechts-, Kriegs- und Jagd-Gebräuche / von E. Nigmann
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IV. Kriegsgebräuche;

5. Nachrichtendienst, Aufklärung.

Nachrichtendienst. Bereits im Frieden bestandenNachrichten­bureaus" in der Weise, daß die Wahehe-Statthalter, die sich in den bis an die äußersten Grenzen der Wahehe-ffrovinzen vorgeschobenen Postierungen befanden, den Sultan dauernd über jede Bewegung im angrenzenden Gebiet auf dem laufenden zu erhalten hatten. Jeder dieser Statthalter hatte eine Grenzwache von etwa 100 reinen und ausgesuchten Wahehe-Kriegern; diese, Späher und zugleich Läufer, watandisi genannt (von tandira = aufpassen), gingen meist bei Nacht vor und brachten ihre Nachrichten ihrem Grenzmdsagila (Statthalter). Dieser entschied auf Grund ihrer Meldungen oder des anderswie zu seiner Beobachtung Gelangten, was an den Sultan weiterzugeben sei. Erschien Meldung nötig, so ging diese sofort ab, und zwar ging grundsätzlich der als Läufer, der selbst beobachtet hatte. Relaismeldung war nicht üblich, eine solche wäre auch bei der großartigen Schnelligkeit und Ausdauer der AVahehe-Läufer kaum nötig, und, wenn man in Rücksicht zieht, wie die Genauigkeit der Meldung unter mündlicher Weitergabe gar erst beim Farbigen leidet, gar nicht zweckmäßig gewesen. Grenzpostierungen mit Nachrichtendienst bestanden an fast allen wichtigen Punkten der Grenze, so gegenüber der Station Kilossa in Kambi uleya, Statthalter Farhenga (Fwaluvuhenga) gegen die dortige Europäerstation, so in Nondoa, Statthalter Kidin je, zur Beobachtung der Karawanen­straße, in Gawiro, Statthalter Mnyaubena, gegen die Wassangu, und andere mehr (vgl. auch hierzu Karte des Wahehe-Reiches).

Daß ich wichtige Meldungen auf etwa 100 km in wenig mehr als 24 Stunden während des Aufstandes 1905 mit Wahehe-Läufern stets durchbekam, war durchaus nichts Ungewöhnliches; gegen das Versprechen eines Rindes, wofür der Mhehe so ziemlich alles tut, konnte man hervorragender Läuferleistungen stets sicher sein.

Aufklärung. Diese watandisi klärten auch das Gefechtsfeld vor dem Beginn des Krieges und wurden bei den Kriegszügen selbst weit vorausgesandt, in letzterem Falle zwei bis vier Tagemärsche vor dem eigentlichen Heere. Sie kehrten rechtzeitig zum Leitenden mit den gesammelten Nachrichten zurück, bzw. blieben am Feinde und sandten Meldung. Der Führer schickte sie dann nach Bedarf wieder vor. Sie entsprachen also etwa unsererselbständigen Ka­vallerie".

Dem eigentlichen Feldheere voraus, aber nur etwa stunden-,