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Die Wahehe : ihre Geschichte, Kult-, Rechts-, Kriegs- und Jagd-Gebräuche / von E. Nigmann
Entstehung
Seite
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2. Ausbildung, Friedensgliederung, Friedensübungen.

war den Hörigen der Wahehe Teilnahme an den Kriegszügen frei­gestellt. Solche, die unkriegerischen Stämmen angehörten, blieben wohl meist zurück und besorgten mit den Weibern zusammen die gering geachtete Landbestellung, die weitaus meisten scheinen aber aus den eingangs angeführten Gründen gleichfalls Anschluß an die ausrückende Truppe in der einen oder anderen Form gesucht und gefunden zu haben. (Sehr viele der Fremden und Hörigen gingen ja auch bald in den ihnen höchlich imponierenden Wahehe ganz auf.)

Kontrolle. Einer Kontrolle der Wehrfähigen bedurfte es nicht weiter; Freizügigkeit gab es ja nicht, so blieb also jeder in der Land­oder Ortschaft seines Häuptlings; dieser kannte jeden einzelnen seiner Leute, deren Verwendungsmöglichkeit und -fähigkeit, und konnte jederzeit dem Sultan melden, mit wieviel Kriegern er auszu­rücken vermochte.

2. Ausbildung, Friedensgliederung, Friedensübungen.

Ausbildung. Die Ausbildung erfolgte ähnlich wie in unserem Mittelalter. Der Mhehe-Knabe wurde bereits frühzeitig zum Häuptling oder zu einem anderen Großen entsandt, um dort in der Kunst des Krieges wie in der Vorübung dazu, der Jagd, unterrichtet zu werden. Die Söhne Hochstehender traten gleicherweise ins Ge­folge des Sultans selbst. Diese Knaben, etwa vom 10. bis 15. Jahre, folgtem ihrem Meister auf allen Jagd- und Kriegszügen, dessen prak­tischen Unterricht genießend. Sie trugen Verpflegung, Gepäck u. ä. für diesen; einer, meist ein ihm verwandtschaftlich nahestehender oder sonst bevorzugter, durfte seine Waffen tragen.

Der Mhehe-Große hat heute noch stets seinen Speerträger hinter sich; selbst wenn er nur in seinem Gebiet umhergeht, folgt ihm ein Knabe mit seinem Speer; letzterer ist allerdings dann meist ein schönes, besonders verziertes, jetzt nur mehr als Würdeabzeichen dienendes Stück. Auch im Kriege geht der Führer, von seinem Speer- oder Gewehrträger gefolgt, nur mit dem Stock; erst beim Eintreten ins Gefecht ergreift er selbst die Waffen.

Diese Knaben griffen dann allmählich erst bei der Jagd, größer geworden, auch im Kriege selber zu; im Felde wahrscheinlich zuerst beim Ausnützen der Verfolgung nach einem Siege durch Beute­machen, womöglich durch Töten Fliehender. Zeigten sie sich hier­bei tapfer, brachten sie viel Beute ein oder gelang es ihnen gar, einen Gegner zu töten, so wurden siezünftig", ihr Meister bzw. der Sultan entließ sie dann nach beendetem Feldzuge aus der Lehre zwecks Gründung eines Hausstandes; sie zählten von da an zu den wirklichen wakami (Kriegern).