Druckschrift 
Die Wahehe : ihre Geschichte, Kult-, Rechts-, Kriegs- und Jagd-Gebräuche / von E. Nigmann
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

34

II. Kultgebräuche.

Kranke nun trotzdem nicht in absehbarer Zeit gesund, so hatten entweder die irgendwie angeärgerten masoka die Schuld, oder es lag noch ein weiterer Zauber vor. Die masoka waren demnächst nach obigem zu versöhnen, oder es mußte nach der Verzauberung erneut weiter gesucht werden.

4. Ausübung des Kultes.

Allgemeines. Wie früher ausgeführt, haben die Wahehe nur reinen Ahnenkult. Abgesehen von den dem Tode der Ahnen un­mittelbar folgenden Sterbeopfern und -festlichkeiten besucht man deren Gräber und opfert man eigentlich nur in zwei Fällen: zur Instandhaltung der Grabstätte und, wenn man etwas von den Ahnen braucht. Man darf gewissermaßen der Grabstätte des Ahnen nicht mit leerer Hand nahen; also selbst wenn nur das Grab oder dessen Umfassung der Wiederherstellung bedarf, ist es notwendig, bei dieser Gelegenheit zu opfern. Auch diese Reparaturen an den Gräbern erfolgen zwar aus Furcht vor dem Zorn der Verstorbenen, aber auch aus einer zweifellos deutlich zu beobachtenden Pietät. Sonst wendet man sich nur an diese aus besonderer Veranlassung, sei es um ihren vermeintlichen Zorn zu versöhnen, sei es um sie für eigene Unternehmungen freundlich oder hilfsbereit zu stimmen. Hieraus ergibt sich, daß Opfer zu bestimmten Jahreszeiten oder sonstwie regelmäßig wiederkehrenden Festlichkeiten ebenso un­üblich sind, wie solche mit dem Zweck einer reinen Erinnerungsfeier.

Auch religiöse Feste mit sexuellem Charakter kennen die Wahehe nicht, die Feier der ersten Menses des Mädchens besteht zwar durchaus, ist aber ein reines Familien- und Freudenfest.

Nachdem das Mädchen durch die ersten Menses zur Reife gekommen (a-kussile), wird sie auf etwa einen Monat zu einer erfahrenen älteren Dame zwecks Unterrichts in allen ehelichen Dingen in Erziehung gegeben. Auch für Knaben besteht eine familiäre Mannbarkeitsfeier.

Allerdings findet bei jeder Geburt im Hause der Wöchnerin sofort eine Festlichkeit für die Verwandten, Nachbarn und Freunde statt; hierbei wird ein Töpfchen unfertigen Bieres für die masoka auf das Dach des Hauses, in anderen Gegenden an dessen Tür ge­stellt. Dieses müssen die masoka bis zum anderen Tage geleert haben, andernfalls bedeutet es ungünstiges und die Abgabe muß wiederholt werden, erforderlichenfalls unter Befragen des Zauberers, bis zum erfolgreichen Ausgang. Für das Ergehen Neugeborener wird nur dann geopfert, wenn es dem Kinde anscheinend schlecht