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Die Wahehe : ihre Geschichte, Kult-, Rechts-, Kriegs- und Jagd-Gebräuche / von E. Nigmann
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2. Zauberer, ihre Tätigkeit und Mittel.

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Angst erwacht; für ihn wird dann das Befragen des schleunigst aufzusuchenden mlagussi (Zauberer, Arzt, s. nachfolgend) unab­weisbar. (.Die Peiniger haben im Traum vielfach die Gestalt weißer Männer; eben gleicherweise wie wir den Teufel schwarz malen!)

2. Zauberer, ihre Tätigkeit und Mittel.

Beruf, Auftreten. Die Wahehe haben keine besondere Priester­kaste oder einen solchen Beruf. Ihr Kult, wie vorerwähnt, reiner Ahnenkult, wird von den Interessenten, im allgemeinen den Nach­kommen und im wesentlichen auch wohl nur von den Höherstehen­den ausgeübt, die mit einem gewissen Stolz die Erinnerung an ihre Vorfahren zu pflegen Veranlassung haben, die insbesondere ihre Verstorbenen beerdigen, was bei gewöhnlichen Leuten, die ihre Toten einfach in den Busch werfen, nicht der Fall ist.

Der Zauberer (mlagussi), gleichzeitig Arzt, hat betreffs der Kultausübung nur einen gelegentlich beratenden Einfluß. Ein feierliches Auftreten, Abzeichen, besondere Kleidung, Wohnung, Nahrung, überhaupt irgendwelche Abweichungen im Äußeren oder in ihrer Lebensführung gegenüber den anderen Wahehe ist den walagussi völlig fern. Ebenso wenig kennen sie eine Geheim­sprache ; auch Kunststückchen, etwa nach Art indischer Zauberer oder taschenspielerischer Art, werden nicht ausgeübt. Zaubermittel sind allerdings zahlreich im Gange und nachfolgend besonders be­handelt.

Ausbildung der Zauberer. Der mlagussi ist Arzt und Zauberer gleichzeitig, und geht die Ausübung seiner beiden Künste oft inein­ander über. Im allgemeinen erbte sich die ärztliche Kunst fort ; war der Sohn eines mlagussi gescheit, so teilte ihm der Vater seine Kenntnisse mit, lehrte ihn besonders den technischen Teil seines Berufes, Wundbehandlung, Kräuterkunde usw. Seltener soll es schon gewesen sein, daß der mlagussi bei Nichtvorhandensein oder Ungeeignetheit eigener Söhne ferner stehenden Verwandten, wie Neffen, seine Kunst vererbte, an Fremde, Gehilfen, wie z. B. im Jägerhandwerk, fand jedenfalls keine Unterweisung statt. Weib­lichen Kindern wurde ärztliche Kunst gleichfalls nicht mitgeteilt, wenn es trotzdem weibliche walagussi gibt, so sind diese Auto­didakten und weniger Ärztinnen als Zauberinnen. Die Technik der Zauberkunst erbte sich nämlich nicht ohne weiteres fort, und konnte sich deshalb nicht forterben, weil diese nach Anschau-