420 Achtes Kapitel: Einfluß des deutschen Elements auf Gesellschaft und Sitte.
auch der deutschen Frau nicht unbekannt, daß nämlich sie es ist, der ihr prächtiger, selbstsicherer Herr Gemahl alles verdankt. Die kluge Frau besitzt Sinn für Humor, die liebende ein verzeihendes Herz, die edle Frau endlich besitzt das Pflichtgefühl, das sie Selbstaufopferung lehrt, wo es das Wohl des kommenden Geschlechts gilt.
VII. Deutsche Charakterzüge.
Die Deutschen in den Vereinigten Staaten haben von jeher Tugenden verkörpert, die vielleicht nach außen hin nur bescheiden zutage treten, nichtsdestoweniger aber geradezu die Grundlage gesunder bürgerlicher Zustände bilden, nämlich Achtung vor dem Gesetz und vor denen, die berufen sind, es zu schützen, Ehrlichkeit, gewissenhafte Pflichterfüllung, zähe Beharrlichkeit, Fleiß und Sparsamkeit. Die Achtung vor dem Gesetz und dessen Vertretern haben sie als schönes Erbteil aus ihren vaterländischen Verhältnissen mit herübergebracht. Die Umgehung der Gesetze empört den deutschen Einwanderer ebenso sehr, wie den eingeborenen Amerikaner ihre allzu gewissenhafte Beachtung durch die Neuangekommenen belustigt. Überall, wo sich die Deutschen in beträchtlicher Zahl angesiedelt haben, trägt das öffentliche Leben ein Gepräge von Ordnung und Gesetzmäßigkeit und bietet damit eine Gewähr für Frieden und Gedeihen. Es bedarf hierfür nur des Hinweises auf das mehrfach angeführte Zeugnis, das Benjamin Rush den Deutschen ausstellt. Die in der Gegend von Neu-Braunfels und San Antonio, in den Kreisen Comal, Gillespie und Medina angesiedelten Deutschen in Texas „genießen im ganzen Staat den Ruf einer den Gesetzen unverbrüchlich gehorchenden Gemeinschaft." 1 Für die Bewohner des von Deutschen
f, 1 Ex-Präsident Roosevelt lobte sie dieses Rufes wegen, als er vor einigen Jahren eine Reise durch Texas unternahm. Herr Alfred H. Stone, der Verfasser der „Studies in the American Race Problem" (mit einer Einleitung und drei Aufsätzen von F. W. Willcox, New-York, Doubleday, Page & Co. 1908) lenkte des Verfassers Aufmerksamkeit auf diese wie auch auf die folgende Tatsache: Obschon sich die Bewohner von Neu-Braunfels ganz besonders durch die Achtung vor den Gesetzen auszeichnen, haben sie, was die Rassenunterschiede betrifft, die gleichen Auffassungen wie die übrigen Bewohner des Südens. Kurz nach Präsident Roosevelts Besuch kam in Neu-Braunfels ein Fall von gewaltsamer Unzucht vor. Das Verbrechen war von einem 16 jährigen Negerburschen, Sam Green, an dem vierjährigen Töchterchen Wilhelm Karbachs, eines vor der Stadt wohnenden deutschen Landmannes, verübt worden. Es heißt, daraufhin habe sich die gesamte deutsche Bevölkerung zusammengerottet