370 Achtes Kapitel: Einfluß des deutschen Elements auf Gesellschaft und Sitte.
mir. Als ich eines Tages zu meinem großen Erstaunen aufgefordert wurde, zu kandidieren, fand sich's, daß ich dies meinen deutschen Freunden zu verdanken hatte." 1 Diese Schilderung des allmählichen Zusammenschlusses der Deutschen paßt auch auf Chicago, St. Louis, San Francisco, Buffalo, Baltimore und viele andere Städte; charakteristisch für den Deutschen ist, daß er überall, wohin er kommt, Vereine gründet, um die Geselligkeit, Mildtätigkeit und Bildung zu fördern.
IV. Religiöse Einflüsse.
Der ausgeprägte Individualismus der Deutschen, die Ursache des Partikularismus in der politischen Entwicklung Deutschlands, tritt in ihrem religiösen Leben durch das stark ausgeprägte Sektenwesen zutage. Im geschichtlichen Teile dieses Werkes werden die Ansiedlungen deutscher Quäker, Tunker, Schwenkfelder, Mennoniten, Ameniten und anderer Sekten im einzelnen geschildert. Vielfach waren sie durch die Verheißung und Gewährung religiöser Freiheit in das Land Penns herüber gelockt; manchmal ließ eine solche Sekte keinen einzigen ihrer Anhänger in der Heimat zurück. Ihr Fleiß und ihre Strebsamkeit, ihr einfaches Leben und ihre tiefe Frömmigkeit gewannen ihnen die Bewunderung ihrer Zeitgenossen. In den Volkszählungslisten von 1900 werden die Tunker (auch deutsche Baptisten genannt) mit 73 795, die Mennoniten (einschließlich der Ameniten) mit 41 541, die Schwenkfelder mit 306 Seelen aufgeführt. 2 Die drei Kirchen, die während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter den Deutschen die einflußreichsten waren, die lutherische, die reformierte und die Brüdergemeinde, setzten auch im 19. Jahrhundert ihre segensreiche Wirksamkeit fort.
Lutheraner. Die ersten Lutheraner waren von Holland nach der Insel Manhattan gekommen, ehe diese 1626 den Indianern abgekauft worden war; andere erschienen 1638 mit Minnewit in Neu-Schweden; im Jahre 1669 fand die Einweihung ihrer Kirche in Wicaco (unweit
1 Diese Beobachtungen wurden dem Verfasser in der Unterhaltung von einem Manne mitgeteilt, dessen Name sowohl in Amerika wie auch in Deutschland großes Ansehen genießt.
2 H.K-Carroil,„The Religious Forces of the United States"(Ame- rican Church History Series), S. 397. New-York 1893. Beruht auf den Volkszählungsberichten von 1900 und verschiedenen bei den Kirchengemeinschaften eingezogenen Erkundigungen.