Deutsche Vertreter der medizinischen Wissenschaften. 367
mazeutischen Institute der Welt ist das der Drogen-Kompagnie der Gebrüder Meyer in St. Louis, die seit ihrem Bestehen in deutschen Händen liegt. Die Firma gibt ein Fachblatt heraus, das stark verbreitet ist. Von hervorragender Bedeutung ist zweifellos die allgegenwärtige „Deutsche Apotheke" gewesen, mit dem deutschen Schild draußen und dem tüchtigen Chemiker drinnen. Der Inhaber besaß ausnahmslos die Ausbildung eines geprüften Apothekers, und zwar bereits zu einer Zeit, wo eine solche in Amerika noch gar nicht zu erlangen war. Derartige Apotheken förderten die Gesundheit des ganzen Orts und schoben gleichzeitig der Quacksalberei einen Riegel vor. Von Interesse ist es auch, daß das erste pharmazeutische Fachblatt Amerikas (Journal of Phar- macology and Experimental Therapeutics) vor kurzem von einem Manne deutscher Abstammung, John J. Abel 1 , Professor der Pharmakologie, Leiter der Abteilung für physiologische Chemie an der Johns- Hopkins-Universität gegründet worden ist. Professor Abels Verdienst ist es auch, die Gesellschaft biologischer Chemiker (1902) und die Gesellschaft für Pharmakologie (1908) ins Leben gerufen zu haben. Beide Gesellschaften zählen die bedeutendsten Fachleute unseres Landes zu ihren Mitgliedern.
III. Gesellige und genossenschaftliche Vereinigungen der
Deutschen.
Es ist interessant zu beobachten, wie sich in den verschiedenen Gegenden, wo das deutsche Element allmählich zugenommen hat, das gesellige Leben der Deutschen entwickelt hat. Die meisten größeren Städte unsers Landes könnten als Beispiele dienen. Wir wählen einfachheitshalber eine solche, in der nicht eine Gruppe von Personen, sondern ein einzelner die Neuankömmlinge um sich zu vereinen und ihrem geselligen und genossenschaftlichen Zusammenschluß ein besonderes Gepräge aufzudrücken wußte. In der süd-carolinischen Hafenstadt Charleston war im 18. Jahrhundert eine beträchtliche Anzahl deutscher Ein-
1 Professor Abel teilte dem Verfasser mit, daß seine Eltern etwa um 1834 nach Amerika gekommen seien, und zwar sein Vater aus Württemberg, seine Mutter (Becker) aus Bayern. Professor Abel war der erste Präsident der Pharmakologischen Gesellschaft und Dr. Wilhelm Gies (ebenfalls der Abstammung nach Deutscher) ihr erster Sekretär. Gemeinsam mit Dr. C. A. Hester von der Columbia-Universität begründete Dr. Abel die erste Zeitschrift für biologische Chemie im Jahre 1906. Auch Dr. Hester ist deutscher Abkunft.