Bedeutende Denkmäler.
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Parks noch eine Reihe anderer deutscher Kunstwerke schmücken, das Humboldt-Denkmal, die Beethoven-Büste, das Fritz Reuter-Denkmal und das in Angriff genommene Goethe-Denkmal. Für das letztere wurde ein Preis ausgeschrieben, mit dessen Verleihung ein Kollegium von hervorragenden deutschen und amerikanischen Bildhauern betraut wurde. Die Richter entschieden einstimmig zugunsten Professor Hermann Hahns, dessen Werk ganz im Geiste der neuen Richtung der deutschen Kunst Goethe als jugendlichen Kraftgenius darstellt.
D. Architektur.
Die Geschichte der amerikanischen Architektur ist noch ungeschrieben, daraus darf man aber nicht etwa folgern wollen, daß sich überhaupt nichts darüber sagen läßt. Fangen doch selbst die Europäer an, unsern architektonischen Formen eine gewisse Unabhängigkeit und Neuheit zuzugestehen. Am klarsten tritt dies in der Wiederbelebung des romanischen Baustils durch H. H. Richardson zutage. 1 Schönheit vereint mit ungefüger, massiger Kraft, die an festen Türmen, dicken Mauern, rauhen, riesenhaften Formen ihre Freude hat, ist der echte Ausdruck für die ungebrochene Mannhaftigkeit der amerikanischen Eigenart. Auch in den riesenhaften Kontorgebäuden, die die höchsten gotischen Türme überragen, und in deren gewaltigem Bau Tausende sich in fleißiger Arbeit regen, findet die Lebenskraft des Amerikaners ein ihr angemessenes Sinnbild. Wohl schüttelt der Europäer den Kopf, wenn er sieht, wie die Mauern von oben herunter, statt von unten hinauf geführt werden, der „Wolkenkratzer" aber ruht sicher auf seinem innern Stahlgerüst und weiß Sturm, Feuer und Erdbeben Trotz zu bieten. 2 Er bedeutet die Lösung des Überfüllungsproblems in den Geschäftsvierteln großer Städte und hat sich auch finanziell vorzüglich bewährt. Bezeichnend für den Amerikaner ist ferner seine Art des Häuserbaus. Der Amerikaner
1 Henry Hobson Richardson war 1838 in Neu-Orleans geboren und starb in Boston 1886.
2 Dieser Gerüstbau ist eine Erfindung William Le Baron Jenneys, geboren 1832 in Massachusetts. Er kam zum ersten Male im Jahre 1884 bei dem Riesenbau einer großen Lebensversicherungsgesellschaft in New-York zur Anwendung, dann weiter in Chicago, wo es schwere Gebäude auf weichem Lehmboden errichten galt, was tiefe Fundamente und die Verteilung des Gewichts auf wenige Stellen erforderte. Die Bessemer Dampfschiffahrtsgesellschaft nannte im Jahre 1883 eines ihrer Schiffe dieser Erfindung zu Ehren W. L. B. Jenney.
Faust: Deutschtum u. amerikan. Kultur. 19