280 Sechstes Kap.: Einfluß des deutschen Elements auf Gesellschaft u. Ku ltur.
und eine Quelle steten Interesses für Laien wie Künstler werden. Dank den unermüdlichen Anstrengungen Professor Kuno Franckes, des Gründers und Direktors des Museums und der großartigen Schenkung von Adolph Busch (250 000 Dollar), wird das Museum ein dauerndes würdiges Heim erhalten. Die Pläne, die im Stile der neuen deutschen Kunst gehalten sind, wurden von G. Bestelmeyer, dem Erbauer der neuen Münchner Universität, geschaffen. Von außen ist der Stil einheitlich, von innen sollen die drei Perioden der Baukunst, die romanische, gotische und die Renaissance in verschiedenen Räumen zum Ausdruck kommen. Die Harvard-Universität hat dem Museumsgebäude einen vorzüglichen Bauplatz an der Museumsstraße angewiesen. Eine die früheren Schenkungen fast noch übertreffende Sammlung von Bildwerken wird dem Germanischen Museum in nächster Zeit wieder aus Deutschland zugehen. Es sind Abgüsse von Denkmälern aus den Rheinlanden, die Professor Paul Gemen, Provinzial-Konservator der Rheinprovinz (im Jahre 1907 Austauschprofessor) für das Germanische Museum in Cambridge hat herstellen lassen. Darunter befinden sich Abgüsse des Südportals des Doms zu Trier, des Hauptportals der Kirche zu Andernach, eine Anzahl Chorschranken mit Reliefs und Grabmäler aus Kirchen von Trier bis Xanten.
C. Bildhauerkunst.
Hatte die Musik und die Malerei in den Vereinigten Staaten anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, so schienen für die Bildhauerkunst die Aussichten geradezu hoffnungslos. Der unbegreifliche Schauder, den Puritaner wie Quäker vor dem Nackten empfanden und eine merkwürdige, geradezu unsinnige Prüderei, die überall im Lande herrschte 1 , zwang jeden, in dem der Trieb zur Darstellung des Schönen in Stein und Erz mächtig wurde, Zuflucht in Italien zu suchen. Dennoch sollten der Bildhauerkunst gerade aus den Reihen ihrer Verfolger die ersten großen Jünger erstehen. Es waren dies Hiram Powers (1805 — 1873), ein Quäker, und Horatio Greenough (1805 — 1852), dessen Mutter aus Neu-England stammte.
Einzelne Deutsche haben sich ohne Zweifel schon früh in dieser Kunst betätigt, denn als Powers 1826 nach Cincinnati gekommen war,
1 Vgl. Mrs. Trollope: „Domestic Manners of the Americans", Bd. II, S. 85—87 und Bd. I, S. 220—221.