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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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uns nur in der Westhälfte des Gesichtskreises ffei- lag); in der Höhe segeln Cirren langsam aus Osten. Der Wind, der nachts aus Südost, bald mehr nach Süden, bald mehr nach Osten gedreht, schwach aber anhaltend bläst, stockt häufig in der elften Vormittagsstunde und macht oft unter Einschal­tung von Windstillen einer schwachen Seebrise aus Nordnordwest und Nordwesten Platz, aber nur in den unteren Luftschichten. Darüber treiben in schneller Fahrt, den Himmel halb bödeckend, zer­zauste Cumuli vor dem Südost, der als Winterpassat eben doch das Feld im großen beherrscht. Zuweilen aber ziehen gleichzeitig in noch größerer Höhe Cirrocumuli in langsamer Fahrt aus Nordosten vor­über. Auch nach Sonnenuntergang ist in mond­hellen Nächten, während unten jetzt wieder allein herrschend der gewohnte Südost bläst, der langsame Zug der hohen Cirrocumuli zu beobachten. Die Fractocumuli, die auch im Frühnachmittag, trotz ausgesprochener Nordwest-Seebrise tief unten, aus Südost herantreiben, werden vorübergehend von schweren Regenwolken aus gleicher Richtung ab­gelöst.

Die Regen, die im Juni (2. Hälfte), Juli und August fielen, waren selten mit Südwest-Wind ge­paart, dann aber stets, mochten sie in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang oder nachmittags oder nachts (sehr selten) niedergehen, von großer Heftig­keit und von 1 bis 3 Stunden Dauer.

Häufig brachte der Südost Regen, meist leichte Schauer um Mittag, kräftigere Niederschläge nach­mittags oder in den ersten Morgenstunden, doch ohne sich streng an diese Regel zu binden. Am 25. und 29. Juli kamen mit kurzen Unterbrechungen von 10 bis 15 Minuten den ganzen Tag über bei Südost-Wind schwere Güsse herunter.

Nächtliche Regen aus Südost sind sehr selten. Aber schwere Gewitter (mit einer Temperatur des fallenden Wassers von 25 ° C.) gingen des Nachts nieder.

Für zahlenmäßige Regenmessungen waren wir nicht ausgerüstet. Zählen wir vom 12. Juni bis zum i. September die Tage, an denen Regen von ein- bis mehrstündiger Dauer fielen, so sind es 30: die Zahl illustriert wenigstens im ganzen die ,.Trockenperiode" des Südwinters unserer Küste.

Aus den Regenpfützen im Walde bestritten wir den größten Teil unseres Trinkwassers, das schmut­zige Tami-Wasser war uns Weißen ungenießbar; es stank, noch ehe der Schmutz sich genügend abge­setzt hatte. Darmstörungen waren bei den Schwar­zen an der Tagesordnung. Mit Jubel begrüßten wir alle den ersten Bergbach im Innern.

3. Zwischen die Abbruchküste im Westen und die Riffterrasse im Osten der Tami-Mündung schiebt

sich eine sumpfige Waldniederung, die mit cincr schmalen Zone reinen Sandes in sonnigem Flach­strand an das Meer grenzt.

Zu den Quarzkörnern, die etwa ein Viertel der Masse des Strandsandes ausmachen (17.), kommen mit etwa 20 % schwarze, stark reflektierende Erz- körnchen von Magnet- und Chromeisen und Granat bruchstücke. Epidote und Rutilc sind mit etwa 9%, Calcit mit 6%, vertreten; dazu kommen Plagioklase, Augitc und vereinzelte Zirkonc.

An den kahlen,, von der Brandung geschlagenen Sandstrand schließt sich eine wechselnd breite Zone niedriger, krautartiger Gewächse, eine Strand­flur (s. Taf. XLVII.), wie man diese Gemeinschaft meerliebender Vertreter aus den verschiedensten Familien nennen kann.

Am weitesten, bis unmittelbar an die Tümpel der Flutlinie schiebt ein Gras seine Ausläufer vor; ihm schließen sich landwärts Schmetterlingsblütler an: die Vigna lutea 1 ) mit gelben Blüten, jungen und alten Schoten an den wirren Ranken, und eine gleich üppig wuchernde Canavalia, die violett blüht, wie die Winde mit dem Ziegenfußblatt, die [pomoea pes caprae, die weithin den Sand bedeckt.

Hinter der Strandflur, die von fern wie ein saftig-grüner Rasenstreif erscheint, erhebt sich auf dem Tami-Schwemmland ein niedriger S t r a n d - w a 1 d , dessen Zusammensetzung vom geschlos­senen Urwald der Binnenlandschaften sich deutlich unterscheidet. Charakterbaum ist die Kasuarine, Casuarina equisetifolia, deren Familie uns einen weit im Archipel verbreiteten australischen Ein­schlag in der Flora auch von Neuguinea vor Augen führt. Mit ihren hochaufschießcndcn, zierlichen Zweigen, ihrem winzigen Schuppcnlaub und un­scheinbaren Kätzchen- und Köpfchenblüten steht sie wie ein zarter Fremdling zwischen den robusten I 'andanus-Arten und den Malvcn, aus deren groß­blättrigem Laub die schwefelgelben Blüten des Hibiscus tiliaccus leuchten.

Dazwischen stehen Eisenholzbüsche einer Afzelia-Art und Calophyllum inophyllüm, der Rot­holzbaum. Narzissengewächse bilden im Schatten der Pandanus-Bäume, wie am Strand bei Mäwo das halbmannshohe, weißblühende Crinum macranthe- rum, zuweilen derart dichte und reine Bestände, daß man vor einer Pflanzung zu stehen glaubt.

Meer und Fluß sind in der Niederungszone unseres Küstenstreifens wechselseitig bauend und zerstörend an der Arbeit. Die holländische See­karte (36.) vom Jahre 1901 gibt dem Tami im letzten

l ) Die Autornamen der Pflanzen- und Tierarten, die den Text schwerfällig machen, werden hinten im Register nach­getragen.