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daß man von der an der Südwestküste gelegenen Eisenbahnstation St. Louis aus Tragstühle benutzt und so die 36,Kin bis Cilaos durch eine Szenerie von großartiger Romantik und eigenartiger wilder Schönheit bequem zurücklegt.
Eine Fahrt von nur 130 Seemeilen nach Osten bringt uns von der Pointe des Galets nach Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius.
Mauritius.
Die Portugiesen hatten die von ihnen entdeckte Insel Jlha do Cirne genannt, vermutlich nach den schwanengroßen, plumpen Erdtauben oder Dodos, welche damals hier noch zahlreich heimisch waren und erst vor einem Jahrhundert ausgerottet wurden. Da die Entdecker aber keine Besitzansprüche erhoben, so nahm im Jahre 1598 der Viceadmiral von Warwick für die Holländer Besitz von der Insel, die er zu Ehren des Statthalters Moritz von Nassau Mauritius taufte. Eine wirkliche Besiedelung jedoch erfolgte erst 1642 dadurch, daß sich mehrere holländische Familien, ein Militürposten und einige Sklaven an der Ostseite der Insel, da wo heute Mahsbourg liegt, niederließen, mit der AbHolzung des Waldes begannen, der damals die ganze Insel dicht bedeckte, und aus Batavia eingeführtes Zuckerrohr pflanzten. Die Leute glaubten aber, bessere Lebensbedingungen am Kap zu finden, und wanderten deshalb 1712 dahin aus. Bald darauf kamen einige französische Kreolen von Bourbon herüber, und im Jahre 1715 wurde die Insel durch Kapitän Guilleame Tufresne offiziell für Frankreich in Besitz genommen und „Jsle de France" getaust. Das Aufblühen der neuen Besitzung begann auch hier, seitdem im Jahre 1734 der weitblickende Mahe de Labourdonnais Gouverneur der Mascarenen geworden war. Dieser erkannte bald, daß der geräumige Hafen Port Louis auf der Westseite von Jsle de France einen bedeutend günstigeren Stützpunkt biete, als die offenen Rheden von Jsle de Bourbon oder als die ursprüngliche Ansiedelung bei Mahsbourg. Er veranlaßte die Übersiedlung von 2000 Kreolen und Negern von Bourbon nach Jsle de France und verlegte den Schwerpunkt der Verwaltung, nicht ohne deswegen bittere Angriffe von Seiten der Bourbon-Ansiedler zu erfahren, bald ganz nach der jüngeren Besitzung, deren für Kultureu günstigeres Gelände die Bevorzugung begreiflich macht. Die wirtschaftliche Entwicklung der Insel vollzog sich ganz ähnlich, wie diejenige der bereits geschilderten Nachbarinsel, und am 3. Dezember 1810 teilte sie auch deren Schicksal, nach tapferer Verteidigung seitens der Franzosen, von den Engländern genommen zu werden, die sie auch 1814 im Pariser Frieden nicht wieder Herausgaben, sondern seitdem als willkommenen Stützpunkt unter dem alten Namen Mauritius behalten und verwaltet haben. Der erste englische Gouverneur war der energische und gewandte Sir Robert Farquhar, dessen Bekanntschaft wir schon in Madagascar machten.
Schanz, Ost- und Südafrika. ^7