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Ost- und Süd-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
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Das westlich von hier und unweit der französischen Grenze befindliche Zeila liegt auf einem sandigen, wasserlosen Küstenvorsprung und hat nur eine offene Rhede mit geringer Wassertiefe, sodaß die Schiffe mehrere Meilen vom Ufer entfernt ankern müssen; Ägypten hatte s. Z. den Hafen durch Anlage von Molen zu verbessern gesucht. Die ständige Bevölkerung beträgt auch hier nur 2000, doch schwillt dieselbe bei Meßzeiten auf 56000 Köpfe an und die Stadt ist Sitz eines lebhaften Handels, der durch Karawanen mit Aussa, Harar und dem südlichen Abessinien vermittelt wird. Dieser bereits sehr alte Verkehr zwischen Zeila und Harar hat zahlreiche Transportmittel geschaffen, welche eine schnellere und billigere Beförderung nach dem Hochland als von Dschibuti aus ermöglichen, derart, daß trotz der billigeren Zölle in dem französischen Hafen Waren von dort zu Wasser nach Zeila und erst von hier nach Abessinien geschickt werden. Die 1897 unter Rodd nach Abessinien geschickte englische Gesandtschaft erreichte nicht nur Zusicherung gegenseitiger Handelsfreiheit, sondern auch das Zugeständnis, daß über Zeila für die obessinische Staatsverwaltung eingehende Waren vom Zoll befreit sein sollten.

Die von Zeila über Kaboba und Gueldeissa nach Harar führende, 370 Km lange Straße ist zwischen der Küste und dem Orte Henssa zwar meist wasserlos, trotzdem aber der am meisten begangene, weil leichteste und auch sicherste Weg; die Routen von Berbera und Bulhar nach Harar, welche sich unweit der Küste vereinigen, werden weniger benutzt.

Auch die vorliegende, 3579 ^rn umfassende Insel Sokotra, welche mit ihrer geringen Fruchtbarkeit und viel sandigem Boden als eine Fort­setzung des afrikanischen Osthorns erscheint, ist heute in englischem Besitz. Nachdem die Engländer die Insel trotz des Protestes des Scheichs 1835 schon einmal genommen und als Kohlenstation benutzt, wegen des ungesunden Klimas aber bald aufgegeben hatten, erwarben sie dieselbe 1876 durch einen Vertrag mit dem Scheich und nahmen sie am 30. September 1886 von Aden aus, dessen Verwaltung es unterstellt ist, offiziell in Besitz. Die größte Ortschaft, Tamarida, liegt an der Nordseite der Insel, welche im ganzen nur 12000 Be­wohner, Araber, Suaheli und Hindus zählt.

Der östlichste Teil der Nordküste Somali-Lands und seine Ostküste bis zum Dschub-Fluß herunter bilden heute

DgF Italienische Somali-Land.

Die offiziellen Angaben für Somalia Ita1ia.ua geben das Gebiet mit 181000 ykra und 210000 Eingeborenen an, und zwar ist sein wertvollster Teil die Benädirküste. BenZ-dir ist die Pluralform des arabischen Wortes fürHäfen" und man erwartet hier also eine hafenreiche Küste anzutreffen;