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Ost- und Süd-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
55
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Sonmli-Land.

Obgleich weder mörderisches Klima, noch ungünstige Terrainverhältnisse hier die Forschung erschwerten, ist dieses, das Osthorn Afrikas bildende Land doch erst in neuester Zeit und auch heute noch nur unvollkommen erforscht worden, da die Bewohner, fanatische Mohamedaner und nomadisierende Hirten, allen Fremden immer höchst feindselig gegenüber traten; auch gab es hier für die Wissenschaft keine hervorragenden geographischen Probleme zu lösen.

Das Innere dieser etwa 700000 akm großen Halbinsel bildet die durchschnittlich 1400 in hohe Landschaft Ogaden, die sich nach Südosten und Süden hin allmählig senkt und an deren Nordrand zunächst das Haud, d. h.Steinloses Land", dann das Nogal, d. h.Steiniges Land" und end­lich eine mit der Küste des Golfs von Aden parallel laufende Kette hinläuft, die im Gan Libach eine Höhe von 1920 in erreicht und wiederholt über den schmalen Küstensaum an das Meer herantritt. Auch unfern der Ostküste, süd­lich vom Kap Guardafui, welches in der Gestalt eines ruhenden Löwen er­scheint, erhebt sich ein, hier nur 60120 in hoher Felsrand, El Khasain, der aber sehr bald einer Flachküste mit Dünenbildung, der Benadirküste, Platz macht. Der Mangel an schiffbaren Flüssen hat dazu beigetragen, uns so lange in Unkenntnis über das Land zu lassen, denn von den beiden allein nennenswerten Wasseradern kann der Ganana oder Dschub nur in seinem Unterlauf kleine Fahrzeuge tragen, und der Wsbi Scheböli oder Leoparden­fluß, der aus zahlreichen in Abessinien entspringenden Quellflüssen entstehende Nil" des Landes, erreicht das Meer überhaupt nicht, sondern endet vor der Küste in einem Sumpfe. Daneben giebt es nur wenige, periodisch gefüllte Wasserläufe.

Das Klima ist im Küstengebiet wenig gesund, auf der Hochebene jedoch durchaus zuträglich und Malaria daselbst unbekannt; die Temperatur steigt hier zwischen August und November bis 32° und fällt zwischen Januar und Mitte März bis 8°, während die gleichmäßigere Temperatur an der Küste im Mittel 24 bis 30° Celsius zeigt. Der Sommer bringt mit dem Südwest-Monsun vielen Staub, der wahrscheinlich die Ursache der zu dieser Jahreszeit epi­demisch auftretenden Augenentzündung bildet; angenehmer für den Europäer ist der von Oktober bis April währende Winter mit seinen starken Regengüssen, die im Innern häufiger als an der Küste auftreten.