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Ost- und Süd-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Auch am Tanafluß fanden ungefähr gleichzeitig Kämpfe gegen brand­schatzende Ogaden statt und es gelang den Engländern hier, die Ruhe bald wieder herzustellen.

Der Kriegsschauplatz im Norden des Gebiets, dessen Operationsbasis Berbera bildet, ist noch wichtiger, weil hier der Mullah selbst mit seinem Heere von 2430000 Mann steht. Zum Zwecke der Bekämpfung des gemein­samen Feindes haben sich Abessinier und Engländer hier verbunden und letztere haben eine Truppe von 1500 Somals angeworben, welche unter dem Kommando des Oberst Swayne, eines genauen Kenners des Somallandes stehen. Bis Mitte 1901 hatte der Mullah aber geschickt verstanden, sich der ibm drohenden Umzingelung zu entziehen.

Betrachten wir nun die einzelnen Interessensphären der Fremden in diesem Gebiet etwas näher und beginnen mit der

Französischen SomaliKusre.

Im Hinblick auf die Veränderungen im Weltverkehr, welche die Eröffnung des Suezkanals mit sich bringen würde, hatte Frankreich schon im Jahre 1858 durch seinen Konsularagenten in Aden, Henri Lambert, versucht, einen Stütz­punkt am Ausgang des roten Meeres zu erwerben, und es gelang dem Ge­nannten auch, von einem der hervorragenderen Häuptlinge der Tadschura-Bai, Ibrahim Abu Bekr, den er aus der Gefangenschaft des Sultans von Hodeidah befreien konnte, den Ort Obok an der Nordküste der Tadschura-Bai zugesichert zu bekommen; doch wurde Lambert am 4. Juni 1859 auf den Muscha-Jnseln ermordet, und erst am 11. März 1862 kam durch Thouvenet für die Summe von 10000 Thalern der definitive Verkaufskontrakt mit Ibrahim über den Hasen Obok und die Küste zwischen Ras Dumeirah und Ras Ali zum Abschluß. Weitere zwei Jahrzehnte vergingen, bevor man von diesem Erwerb irgend welchen Gebrauch machte. Im Jahre 1881 finden wir dann im Auftrag einer Handelsgesellschaft den unermüdlichen Pionier Frankreichs, den Forschungsreisenden Soleillet hier und 1883 hatte auch die französische Regierung direkte Veranlassung, sich um den Platz zu kümmern, nachdem England während des Tongking-Krieges 188385 seine Häfen im fernen Osten den Franzosen schloß; es wurde nun­mehr in Obok eine Kohlen- und Proviantstation eingerichtet. Aber die un­genügende Wassertiefe des Hafens, die mangelnde Verbindung mit dem Hinter­land, die Teuerung aller Lebensmittel und die drückende Temperatur des trost­losen Ortes ließen die Franzosen, nachdem Obok den dringenden Bedürfnissen des Moments gedient, bald weitere Umschau halten und so besetzten sie An­fang 1888 den Ort Dschibuti an der Südseite der Bucht, nachdem sie sich durch eine Reihe von Verträgen mit den Eingeborenen das Hinterland rings um die Tadschura-Bai gesichert und schon im Mai 1887 durch einen Vertrag mit