Allgemeine geistige und moralische Charakteristik.
So unzutreffend der Europäer im Durchschnitt den Stand der materiellen Kultur des Negers beurteilt, so falsch pflegt er auch seine geistigen und moralischen Qualitäten zu bewerten. Daß der Neger sich regelmäßig wäscht, rasiert, frisiert, die Zähne putzt, seine Äütte täglich mehrmals kehrt und seine Dorfstraßen sauber hält, stellen sich die wenigsten vor. Daß der freie, männliche Afrikaner im Durchschnitt fleißig seine Landwirtschaft betreibt, seinem Gewerbe obliegt, seinen Äcmdel versieht, im Dienste der Gemeinde oder des Stammes der Kriegspflicht genügt, oder an der Beratung öffentlicher Angelegenheiten teilnimmt, daß er auch als Äaupt einer Familie oder Sippe mit mancherlei Pflichten beladen ist, und daß es also zu den gedankenlos nachgeplapperten Fabeln gehört, wenn man ihm nachsagt, er stehle dem lieben Gott die Tage — das findet leider auch heutzutage noch wenig Gläubige. Ja selbst der Jagd liegt er selten zum bloßen Zeitvertreib ob; die Äerbeischaffung von Fleisch für den Äaushalt, von kostbarem Elfenbein zu Äandelszwecken u. dergl., also ein wirtschaftlicher Gesichtspunkt ist vielmehr auch hier der Beweggrund seines Handelns.
Aber der Zweifel wird zum hartnäckigen Unglauben, wenn man dem Neger geistige Fähigkeiten, eine vernünftige Sprache, zarte Regungen der Seele und moralische Urteilsfähigkeit zuschreibt. Und der Unglaube weicht der Entrüstung, wenn der hochgebildete Kulturmensch erleben muß, daß der Neger ihn z. B. geringeren Feingefühls zeiht, weil er rohes Fleisch und rohe Eier esse, die der Neger gewöhnlich verschmäht.