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Deutsch-Kamerun : wie es ist und was es verspricht ; historisch, geographisch, politisch, wirtschaftlich / dargest. von A. Seidel
Entstehung
Seite
126
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Das Familienleben der Eingeborenen.

Äber das Familienleben der Sudanneger ist noch so wenig bekannt, daß dieselben aus der folgenden Erörterung fast völlig ausscheiden, so daß nur von den heidnischen Bantunegern und den Muhammedanern des Hinterlandes die Rede ist. Wir ziehen zunächst nur die ersteren in den Kreis unserer Betrachtung.

Die Pubertät tritt bei den Mädchen im 10.12. Jahre, bei den Knaben im 12.14. Jahre ein, und ihr Eintritt wird, wie schon oben erzählt, bei Mädchen durch eine Festlichkeit, bei Knaben durch die Beschneidung gefeiert. Letztere wird von wenigen, darin geübten Männern vorgenommen, nicht vom Zauberer. Mittels eines kleinen aus Draht gefertigten Messerchens wird die Vorhaut abgeschnitten und dann in der Nähe der Äütte in die Erde gegraben und darauf oder da­neben eine Banane gepflanzt. Wenigstens verfahren die Bakwiri so."') Drei bis zehn Tage sind die Knaben arbeits­unfähig und halten sich während dieser Zeit nackt hinter einem Verschlage in der Äütte auf. Die Wunde wird bei den Duala mit einem Blatt umwickelt, bei den Bakwiri mit einem Pulver aus Baumrinde bestreut. Nach der Äeilung schlachtet und bereitet die Mutter ihrem Sohn ein Äuhn und kauft ihm ein neues Lcndentuch, was der Sohn durch Überreichung eines selbsterlegten Wildes erwidert.

Von nun an bis zur Verheiratung genießen, wie bereits erwähnt, beide Geschlechter volle Freiheit der Bewegung. Es ist auffallend, daß trotzdem auch die gewerbsmäßige Prostitution weit verbreitet ist.