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Deutsch-Kamerun : wie es ist und was es verspricht ; historisch, geographisch, politisch, wirtschaftlich / dargest. von A. Seidel
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soziale Verhältnisse der Eingeborenen.

Außer dem sozialen Faktor der ungleichmäßigen Verteilung von Geld und Gut, der natürlich auch in Afrika sein Wesen hat, ist sür das gesamte Schutzgebiet der Gegensatz zwischen Freien und Sklaven bedeutsam.

Die Sklaven sind teils frisch eingefangene Kriegssklaven, teils in der Knechtschaft geborene Äaussklaven. Bei den Bakwiri soll es auch Schuldsklaven, wie in Adamaua, geben. Nur bei den ersteren, die auch zu den schweren Arbeiten ver­wendet werden, kommt es vor, daß sie schlecht ernährt und wohl auch verkauft werden. And die Naubzüge, die manchmal lediglich zur Erlangung solcher Sklaven unternommen werden, mit dem ganzen Gefolge von Grausamkeit und Zerstörung, das von ihnen unzertrennlich ist, sind entschieden eine barbarische Ansitte, die man nicht hart genug verdammen und nicht energisch genug bekämpfen kann, wenngleich die Sklavenjagden in Kamerun nie so ausgebreitet gewesen sind und das Land so verheert haben, wie in Ostafrika.

Anders aber steht es mit der am weitesten verbreiteten Form der Sklaverei, der Äaussklaverei. Der Äaussklcwe ist ein Glied der Familie und wird als solches gehalten. Er kann eigenes Vermögen erwerben, heiraten und selber Sklaven besitzen. Ja, wir haben bei der Beschreibung der Äöfe der L^midos gesehen, daß in den muhammedanischen Staaten alle einflußreichen Staatsstellungen den Sklaven vorbehalten sind, natürlich, weil man ihren Einfluß nicht so sehr zu fürchten braucht und sie im Notfall auch leichter beseitigen kann.