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Deutsch-Kamerun : wie es ist und was es verspricht ; historisch, geographisch, politisch, wirtschaftlich / dargest. von A. Seidel
Entstehung
Seite
115
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politische Verhältnisse der Eingeborenen.

In den politischen Verhältnissen zeigt sich der Unterschied zwischen den einzelnen ethnologischen Gruppen der Bevölkerung besonders schlagend.

An der Küste und im Waldland ist keine Spur von politischer Organisation vorgeschrittener Art zu finden. Nicht einmal die Stammesgemeinschaft begründet irgend einen Zu­sammenhalt. Vielmehr bildet jedes Dorf eine unabhängige Einheit für sich. Die Dorfhäuptlinge, deren Würde auf den ältesten Sohn vererbt, haben meist wenig Macht und Ansehen, selbst ihren eigenen Untertanen gegenüber. Die Sicherheit von Leben und Eigentum ist daher im Gebiete dieser Stämme nur gering. Eine rühmliche Ausnahme macht das rauhe Gebirgsvolk der Bakwiri'^). Sie haben zwar kein gemeinsames Stammes­oberhaupt, doch herrscht über je 45 Dörfer (sie bewohnen im ganzen etwa 60 Ortschaften) ein Oberhäuptling. Jedes Dorf hat dazu einen Häuptling (sa-nAo N. innnäi) und einen Anter- häuptling nebst einigenÄltesten". Auch bei den Banyang zeigt sich bereits eine höhere Art des politischen Zusammen­schlusses, indem der Stamm in vier Gauverbände gegliedert ist. Die Bantustämme auf dem Hochplateau des Innern haben eine weitere auf den Einfluß der verschiedenen natürlichen Verhältnisse ihres Landes oder auf das Beispiel der Sudan­neger zurückgehende Entwicklung aufzuweisen, so die Aaunde und die Bali'^). Hier untersteht bereits der ganze Stamm einem einzigen Häuptling, dem alle Dorfhäuptlinge nach­geordnet sind.