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Neu-Guinea / von Maximilian Krieger. mit Beitr. von A. von Danckelman ...
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9. Zur Kenntnis der Ornamentik von Neu-Guinea.

Zu diesem schwierigsten Kapitel der melanesischen Ethno­graphie können hier nur einige leitende Gesichtspunkte kurz mit­geteilt werden. Zunächst hat Haddon den Beweis geliefert, dass die Stämme von Britisch-Neu-Guinea hesser als in irgend einer an­deren Weise nach ihrer Ornamentik eingeteilt und zu einzelnen ethnographischen Provinzen zusammengefasst werden können. In ähnlicher "Weise hat Preuss das auch für den deutschen Teil der Insel versucht, während für den holländischen das noch immer allzu spärlich vorhandene Material eine weitere Teilung bisher nicht gestattet, wie denn auch für den Osten der Insel unsere Kenntnis noch so lückenhaft ist, dass wir die bisher gemachten Scheidungsversuche nicht als völlig definitiv und unfehlbar be­trachten können. Immer aber geben uns gerade die Ornamente einen verhältnismässig sicheren Leitfaden, an dem wir allmählich zu einer abschliessenden Übersicht gelangen zu können hoffen.

Die Zeit der Raritäten- und Kunstkammern, in der man Neu- Guinea mit Neu-Holland und mit allen Inselgruppen der Südsee als Australien" zusammenfasste, wich einer Periode, in der man Neu- Guinea als ein ethnographisches Individuum betrachten konnte. Mit der weiteren Erschliessung der Insel erkannte man aber bald, dass da von einer Einheit keine Rede sein könne und gelangte zu der Anschauung, dass den gegenwärtigen politischen Grenzen auf der Insel zufällig auch ethnographische Scheidelinien entsprächen. Aber auch diese Ansicht ist jetzt erschüttert. Kaiser Wilhelmsland zerfällt ethnographisch in mindestens fünf oder sechs Gebiete, Bri­tisch-Neu-Guinea in sechs oder sieben und in ebensoviel wohl auch der holländische Teil der Insel, von dem freilich der ganze Süden noch so gut wie unbekannt ist, von dem aber die Gegend von Misol und Salawati, der Mac Cluer-Golf und die Geelvink-Bucht sicher je eine ethnographische Provinz bilden, während der äusserste Osten von Holl. Neu-Guinea, mit Witriwai, Tanah-merah und der Humboldt-Bai ethnographisch sich an das benachbarte deutsche Gebiet anschliesst.

Weitaus am schönsten lassen sich diese ethnographischen Pro­vinzen im englischen Teile festhalten. Von diesen umfasst die am weitesten nach Westen liegende die Inseln der Torres-Strasse und das unmittelbar vorliegende Küstengebiet der Hauptinsel, das als Daudai bekannt ist, und die südwestliche Hälfte des grossen