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Neu-Guinea / von Maximilian Krieger. mit Beitr. von A. von Danckelman ...
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7. Ahnenfiguren und Schädelkult.

Zu den dunkelsten Punkten der Ethnographie des dunklen Inselreiches gehören die kleinen Schnitzwerke in der Form mensch­licher Figuren, die wir in so grosser Zahl, hauptsächlich von den Salomonen und aus dem deutschen und dem holländischen Teile von Neu-Gruinea besitzen. Getreu den alten, von Finsch übernommenen Traditionen, pflegten die Eeisenden sie als müssige Spielerei zu betrachten und sie einfach als Kuriositäten zu sammeln. So besitzt das Berliner Museum Hunderte von sol­chen Figuren ohne eine einzige bestimmte An­gabe über Zweck und Bedeutung. Meist ge­langen diese Bildwerke unter der nichtssagenden Bezeichnunggeschnitzter Götze" in unsere Sammlung, und auch in Holland wurden sie früher einfach alshouten Beeldjes" verzeich­net. Vermutungsweise wird bei einigen an­gegeben, dass esAhnenfiguren" sein möchten, andere werden alsTalismane" erklärt, aber irgend welche zuverlässigen Angaben stehen noch aus. Wir können sie auch erst erwarten, wenn sprachkundige Missionare sich solchen Untersuchungen widmen, und wenn auch unsere anderen Landsleute draussen sich einmal ent­schlossen haben werden, die einheimischen Spra­chen zu lernen. Wer immer aber in Neu-Guinea eine solche Untersuchung aufnimmt, der wird sich ein grosses Verdienst erwerben und sich ein unvergängliches Denkmal in den Annalen der Völkerkunde stiften.

Dass die früheren Beisenden derartige Schnitz­werke überhaupt gesammelt und nach Hause gebracht haben, ist sicher schon sehr verdienstlich gewesen aber mit dem blossen Sammeln ist es gerade bei derartigen Dingen nicht gethan. Speere und Schilde kann man freilich sammeln wie Käfer und Schmetterlinge, bei welchen die Angabe von Ort und Zeit genügt. Aber bei Gegen­ständen, die mit uns völlig unbekannten religiösen Vorstellungen zusammenhängen, ist es dringend nötig, zu jedem einzelnen Stücke auch seine Bedeutung zu erkunden. Und das ist das Gebiet, auf

Fig. 36. Ahnenfigur v. d. Raum-Mündung.

Tappenbeck. Etw. '/ 8 d.w. Gr.