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Neu-Guinea / von Maximilian Krieger. mit Beitr. von A. von Danckelman ...
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sich das ihnen sonst nicht erreichbare Feuer für ihre Pfeife durch Keiben auf dem mit Brettern belegten Fussboden beschaffen dann wird man doch immer an die Möglichkeit denken müssen, dass auch der ozeanische Drillbohrer ursprünglich den europäischen Matrosen abgelernt ist. Es scheint mir in der That schwer an­zunehmen, dass ein so raffiniertes Gerät öfter als einmal erfunden worden sei, wenn ich auch gern zugeben will, dass verwandte Formen wie z. B. der Bohrer mit dem Bogen und der Bohrer mit der Schnur und dem im Munde gehaltenen Axenlager in Nord­west-Amerika unabhängig von europäischen Einflüssen entstanden sein können. Jedenfalls würden weitere Untersuchungen auf diesem Gebiete sehr erwünscht und verdienstlich sein und vielleicht schliess­lich doch zu einer sicheren Lösung der Frage führen, die einst­weilen nur gestellt und erläutert, nicht beantwortet werden kann.

5. Entwicklungsgeschichte und geographische Verbreitung der Kopfbänke in Neu-Guinea.

Harte Bänkchen vertreten bei sehr vielen Völkern die Stelle unserer Kopfkissen; wir kennen sie aus dem alten Ägypten, wo sie schon Jahrtausende vor Beginn unserer Zeitrechnung in Gebrauch waren, wir finden sie heute noch bei sehr vielen afrikanischen Völkern, von den Zulu im äussersten Südosten des Weltteils bis hinauf nach Abessinien; wir kennen sie aus Ostasien, wo sie nicht nur aus Holz oder Elfenbein, sondern oft sogar aus Porzellan und Steingut hergestellt werden, und wir finden sie in den mannig­fachsten Formen in der Südsee, aber da nicht etwa allgemein ver­breitet, sondern auf einzelne Inselgruppen beschränkt und in anderen völlig fehlend. So vermissen wir sie u. a. im Bismarck-Archipel, auf den Salomonen und in Neu-Kaledonien, auf den meisten Inseln Mikronesiens, in Neu-Seeland, auf den Marquesas und auf der Hawaii-Gruppe, während sie z. B. auf Samoa, Tonga, Fidschi und Tahiti regelmässig vorkommen.

Ihre weitaus grossartigste Entwicklung erreicht die Kopfbank aber in Neu-Guinea; sie ist zwar auch nicht gieichmässig über die ganze Insel verbreitet und scheint z. B. im ganzen südöstlichen Teil, also in Britisch-Neu-Guinea. vollkommen zu fehlen, dafür gehört sie aber im Norden und Westen der Insel zu den schönsten und wichtigsten Elementen des ethnographischen Besitztums, und ist da von einer Mannigfaltigkeit der Formen und Typen, die unsere höchste Bewunderung erregt.