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4. Drillbohrer und ähnliche Geräte.
Zwei Arten von Bohrern sind in Neu-G-uinea und auf den benachbarten Inseln sicher einheimisch, d. h. nicht von Europäern eingeführt. Die eine Art habe ich ausführlich in meinen „Beiträgen zur Völkerkunde der Deutschen Schutzgebiete"*) beschrieben, weshalb ich unter Verweis auf die dort gegebene Abbildung sie hier kurz erledigen kann, die zweite muss hier etwas ausführlicher behandelt werden.
Die erste Art ist besonders aus Berlinhafen bekannt und dient da zur Herstellung der rapa genannten grossen Armringe aus Tri- dacna. Das Werkzeug besteht im wesentlichen aus einem etwa
90 cm hohen und 7 cm im Durchmesser haltenden Bambus-Zylinder und wirkt wie ein ganz richtiger Kronenbohrer. Nahe dem oberen Ende befindet sich ein quer festgebundener länglicher Stein, der sowohl als Handhabe wie auch als Gewicht dient; am unteren Ende entsteht beim Gebrauch von selbst eine scharfe kreisförmige Schneide. So entspricht das Werkzeug genau den Forderungen, welche die Prähistoriker bei uns schon lange an das Gerät gestellt haben, mit dem der vorgeschichtliche Mensch seine Steinhämmer durchbohrte. An unfertigen Bohrlöchern solcher Hämmer kann man sehen, dass in ihrer Mitte ein zylindrischer Zapfen stehen geblieben ist und dass der Bohrer deshalb notwendig röhrenförmig gewesen sein muss. Eine solche Einrichtung bedeutet natürlich einen sehr grossen Gewinn an Zeit und Kraft und ist daher in unserer Zeit für die Sprenglöcher bei den grossen Tunnelbauten angewandt und, wie es scheint, sogar eigens „erfunden" worden. Die Priorität der „Erfindung" gebührt also ganz zweifellos den „Wilden" von Neu-Guinea
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Fig. 13. Tridacna-Scheibe zur Ausbohrung vorbereitet. Berliuhafen.
Wendland. l L d. w. Gr.
x ) Berlin, Keimer, 1897, S. 74ff. Eine noch viel eingehendere Beschreibung ist inzwischen in dem ausgezeichneten „Katalog der ethnogr. Sammlung Ludwig Biro's", Budapest 1899, erschienen.