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und auf einigen griechischen Inseln in Gebrauch. Ich gebe vorstehend eine Abbildung nach dem Buche von Jacob Spon. 1 ) Es besteht aus einem kleinen Bogen aus Fischbein mit einer Darmsaite als Sehne; der Bogen ist armbrustartig an einer kupfernen Röhre befestigt, die oben etwas gelappt ist, sodass die zwischen den kurzen Lappen gefasste Ader nicht ausweichen kann; der eiserne Pfeil selbst ist stumpf lanzettförmig.
So finden wir also dasselbe Gerät in Brasilien, in Ost-Afrika, in Neu-Guinea und im östlichen Mittelmeer und stehen vor der Frage, ob es jedesmal einzeln und von neuem erfunden wurde, oder ob es da oder dorthin durch Übertragung gelangt sein kann. Die Beantwortung dieser Frage erfordert zunächst eine eingehende Geschichte des Aderlasses, die bisher noch nicht geschrieben ist, und ausserdem eine sehr viel breitere ethnographische Grundlage als die bisher vorhandene. Von Indien ist die Banane und das Bindenzeug sowohl nach Afrika als nach Ozeanien gelangt; wenn nun auch ein solcher Aderlassbogen gleichfalls in Indien nachzuweisen wäre, so würde sein Vorkommen in drei von den vier oben erwähnten geographischen Bezirken leicht zu verstehen sein; das Vorkommen in Brasilien freilich würde auch dann noch nur schwierig- erklärt werden können. Jedenfalls ist die Frage noch nicht spruchreif, und es wird noch viel Material gesammelt werden müssen, bevor sie ihrer Lösung sich nähern kann. Das möchte aber schon jetzt als sicher gelten, dass der Aderlassbogen nur in solchen ethnographischen Provinzen erfunden werden kann, in denen man auch den grossen Pfeilbogen kennt.
3. Schilde zum Umhängen.
Schild und Speer gelten meist als ganz untrennbar zu einander gehörig. In grauer Vorzeit schon sehen wir die Anlage der „skäischen" Thore dadurch bedingt, dass man den angreifenden Speerträger zwingen wollte, seine vom Schilde ungeschützte rechte Seite den Geschossen der Verteidiger bloss zu stellen; genau dieselbe Anlage des nach links verschobenen inneren Festungsthores finden wir heute noch im tropischen Afrika, und auch sonst erscheint der Schild fast stets nur zur Abwehr des Speeres verwandt. Allerdings giebt es kleine Faustschilde auch gegen Dolche, und
: ) Italiänische, griechische und orientalische Beisebeschreibung, Nürnberg 1681, II. Teil, S. 49.