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Neu-Guinea / von Maximilian Krieger. mit Beitr. von A. von Danckelman ...
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aus einem zusammengesetzten oder verstärkten. In diesem Sinne würde also der verstärkte Bogen von Sekar auch in Ozeanien nicht ganz ohne Analogie sein und könnte den Gedanken erregen, dass der Bogen dort von mehr als einer Seite her seinen Eingang ge­funden.

Das bisher bekannte Material ist auch lange nicht ausreichend, um hier ein abschliessendes Urteil zu ermöglichen, aber gerade in Neu-Guinea scheint der Schlüssel zur Lösung auch dieser Frage zu liegen. Dass der Bogen in Australien, im Bismarck-Archipel, auf den Fidschi- und Admirälty-Inseln ganz fehlt, in Neu-Kale- donien und in ganz Polynesien und Mikronesien entweder fehlt oder nur eine sehr untergeordnete Eolle spielt, das sind Befunde, die wir einfach als solche hinnehmen müssen; wenn wir aber von Sir W. Mac Gregor erfahren, dass in Britisch-Neu-Guinea Stämme ohne Bogen Hängematten haben, und Stämme mit Bogen keine Töpferei kennen, so giebt das zu denken; ähnliche Befunde, wenn sie erst einmal zahlreicher festgestellt sein werden, würden sicher viel zur Kenntnis des wahren Ursprunges der Ozeanier beitragen.

2. Bogenförmige Geräte zum Aderlässen.

Bogen zum Scarifizieren und Aderlassen sind seit 1819 von den Cayapo in Brasilien bekannt, Bartels hat sie in seinerMe- dicin der Naturvölker" für die Isthmus-Indianer in Anspruch ge­nommen, und ich habe in meiner Besprechung dieses Buches im Archiv für Anthropologie" darauf hingewiesen, dass diese Methode nicht vereinzelt dasteht, sondern ganz ebenso auch bei den Massai und anderen ostafrikanischen Hirtenvölkern, sowie in Neu-Guinea geübt wird. Auf dieses letztere Vorkommen möchte ich hier näher eingehen. Der Aderlassbogen ist aus Holländisch-Neu-Guinea bisher nicht bekannt, er ist aber schon aus vielen Bezirken von Deutsch­und Britisch-Neu-Guinea nachgewiesen und scheint über den ganzen Osten der Insel gleichmässig verbreitet zu sein. Er ist in Deutsch- Neu-Guinea meist aus Kohr, in Britisch-Neu-Guinea, wie es scheint, stets aus mehreren zusammengebundenen Grasstengeln, nur 2630 cm lang. Der Pfeil ist mit einem kleinen spitzen Haifischzalm (neuestens mit einem Glassplitter) bewehrt und läuft in Grasschlingen, die so­wohl um die Mitte des Bogens als um die Mitte der Sehne ge­schlungen sind; er kann also wie aus einer Armbrust mit grosser Sicherheit auf eine ganz bestimmte Stelle der Haut geschnellt