— 177
das Lob aus dem Munde der Mutter ihres Schützlings entgegen. Die kleinen Mädchen des Dorfes reissen sich so sehr darum, diese Kindermädchendienste zu versehen, dass die Missionarfrauen sich veranlasst sehen, täglich eine andere Kleine mit dem Ehrendienst bei ihrem Baby zu betrauen. Mit der halben Stange Tabak als Belohnung oder Gastgeschenk ziehen sie vergnügt am Abend heim und zählen schon die Tage, wann sie wieder an der Reihe sind, Kindermädchen zu spielen. Die Papuakinder sind lieb, und bei dem Dahinscheiden ihrer kleinen Nachkommen zeigen die Eltern tiefe und aufrichtige Betrübnis; dies geht bei einzelnen Stämmen selbst so weit, dass sie es nicht übers Herz bringen können, den Leichnam ihrer kleinen Lieblinge zu begraben. Sie balsamieren ihn nach dem Tode mit Eötel ein, umwickeln ihn mit Bast und bewahren ihn auf diese Weise noch lange im Hause auf. Hat sich dann der erste Trennungsschmerz gelegt, so bestatten sie die Leiche in der Erde.
e. Krankheit, Tod, Bestattung.
Dank ihrer einfachen Lebensweise haben die Eingeborenen nicht viel unter Krankheit zu leiden, doch sind sie ebensowenig malariafrei wie die Europäer. Eine Eigentümlichkeit des Fiebers bei den Eingeborenen ist, dass sich der Körper bei vielen Fieberkranken mit grossen roten und nässenden Flechten bezieht. Als Fieberheilmittel wenden sie ihr Universalmittel an: Blutabzapfen an der Stirn oder am Rücken, oder sie umwickeln auch Schläfe und Hinterkopf fest mit einer Schnur, oder endlich, sie setzen die Leidenden, um das Fieber zu vertreiben, vor ein kräftiges Feuer. Noch ein anderes Fiebermittel, das viel in der Gegend von Simbang und Finsch-Hafen von den Eingeborenen gebraucht wird, ist die Muju-Rinde, deren Rauch die Krankheit vertreiben soll.
Die Bevölkerung von Simbang leidet mehr an Krankheiten als die Eingeborenen sonst überall, und nach den Berichten der in Simbang stationierten Missionare geht die Einwohnerzahl dort in den letzten Jahren schnell zurück, da die Todesfälle die Geburten bei weitem übersteigen. Ein Mann von vierzig Jahren ist hier eine Seltenheit. Auch in einigen Dörfern der Astrolabe-Bai, in Gumbu-Korrendu, nimmt die Bevölkerungsziffer immer mehr ab, während sie sonst fast überall, Avenigstens an der Küste von Kaiser AVilhelms-Land, stetig im Steigen begriffen ist. Sehr verbreitet ist im Süden von Kaiser Wilhelms-Land, besonders bei den Jabim,
Bibliothek der Länderkunde. 5/6. 12