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Deutschland in China / Rudolf Zabel
Entstehung
Seite
412
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Chinesische Probleme.

Ein Friedensvertrag konstatiert gewöhnlich ein bereits vor dem Friedensschluß, ja auch vor dem zum Friedensschluß führenden Kriege existierendes Machtverhältnis zwischen den Friedenskontra­henten. Ein Friedensabschluß schafft also keine neuen Machtver­hältnisse, sondern ist nur der schließlich zu Papier und offizieller Anerkennung gebrachte normative Ausdruck eines Gleichgewichts­zustandes. Macht und Recht sind homogenen Entwickelungsgesetzen unterworfen. Der vorhergegangene Krieg ist demnach nur der Ent­wickler, der das neu gewonnene Momentbild klar badet.

Das Eigenartige am chinesischen Frieden ist nun aber, daß ihm ein eigentlicher Krieg nicht vorausgegangen ist weder China hat den Verbündeten noch die Verbündeten haben China den Krieg erklärt.*) Das Friedensbild konnte nicht genügend gewaschen werden, seine Linien sind daher unklar, seine Schatten matt, seine Lichter ausdruckslos. Die Seymour'sche Expedition wurde gegen Boxer geschickt. Man brach ein Gefecht ab, weil während eines Boxerkampfes chinesisches Militär auf der Bildfläche erschien. Auch später noch, lange später, als das Verhalten der chinesischen Re­gierung und die Ereignisse von Peking und Tientsin längst bekannt geworden waren, als ein deutscher Heerführer den Oberbefehl in Petschili übernommen hatte, handelte man bei Tschoutschou und bei Patschou unter demselben Eindruck. Interessant ist auch die That­sache, daß man dem Sühneprinzen in seiner doch zensierten Ansprache gestattet hat, gleichfalls die Fiktion festzuhalten, daß die fremden Mächte der chinesischen Regierung nur Hilfe gegen Aufständische

*) Ausgenommen wäre nur Rußland. Indessen wird die Thatsache einer offiziellen Kriegserklärung Rußlands an China auch bezweifelt.