3. Kapitel.
Ostasiatische Fragen und Antworten.
1. Abschnitt. Hunnenbriefe.
Eine Konferenz der deutschen Preßvertreter beim Oberkommando. — „Pardon wird nicht gegeben". — Exekutionen an Chinesen. — Die Vorgänge bei der Einnahme von Liangsianghsien. — Mitgefangen — mitgehangen! — Grausame Marterung eines Sikh. — Gefangene werden nicht gemacht. — „Luten". — Einiges über chinesische Staatsgelder. — Der geraubte kaiserliche Schatz. — Silberfund in Pautiugfu. — Requirieren ohne Requisitionsscheine. — Die philosophischen Bauern. — Durchsuchung von Pfandhäusern nach Pelzen. — Plünderung gestattet. — Der Tientsiner Lntmarkt. — Die berüchtigten Inder. — Relativ gute Haltung unserer eigenen Leute. — Prinziplosigkeit iu der Behandlung des Plünderns. — Die Folgen der Hunnenbriefe. — Die Vorgänge bei der Plünderung der Silinggräber. — Das kulturerhaltende Plüu- dern. — Allzuharte Strafen. — Die Hunnenbriefe machten die Heerführer nervös. — Das „Kauf"-System. — Ein heftig angefeindetes Prinzip bewährt sich.
Kurz vor meiner Abreise nach der Mandschurei wurden die in Peking anwesenden deutschen Korrespondenten zu dem Privatsekretär des Grafen Waldersee Herrn von Rauch gebeten, der zugleich die Aufgabe hatte, die Preßvertreter mit Nachrichten zu versorgen und den Verkehr zwischen der Presse und dem Oberkommando zu vermitteln. Herr von Rauch kam auf die Hunnenbriefe zu sprechen und ersuchte uns, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es sei doch evident, daß der größte Teil dieser Hunnenbriefe einfach einer nervösen Phantasie entsprungen sei. Ob wir nicht ebenfalls die Überzeugung hätten, daß dieser Krieg auch nicht grausamer und inhumaner geführt worden sei, als ein europäischer Krieg. Wir erklärten uns im Prinzip gern bereit, zu der Frage Stellung zu