Druckschrift 
Deutschland in China / Rudolf Zabel
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

7. Abschnitt.

Deutschland in (Lhina.

Speziell Deutschlands Stellung innerhalb der chinesischen Frage war bis zur Besetzung des Kiautschougebietes noch verhältnismäßig wenig politisch. Erst mit dem Augenblick, als Deutschland dem Vorgehen Englands, Frankreichs und Rußlands folgte und sich einen Gebietsteil als militärischen Stützpunkt seiner Interessen in Ost-Asien sicherte, trat es ein in die Reihe der Nationen, die im Vordergrund der chinesischen Frage und damit der brennendsten Frage der Weltpolitik stehen. Die Position, die Deutschland sich in der kurzen Zeit innerhalb dieser Staaten durch sein Vorgehen in China erworben hat, ist in der That frappierend. Vor wenigen Jahren noch kaum genannt, ist Deutschland in Ost-Asien immer vor­wärts gegangen, und seine Stellung wird treffend charakterisiert durch die WorteTsingtau"undJangtse-Abkommen." Es ist bezeich­nend, daß gerade Deutschland in der Folge während der gemeinschaft­lichen Aktionen der Mächte, die in das Treiben der chinesischen Politik eingegriffen haben, an die Spitze dieser Mächte trat. Man mag über die Vorteile und Nachteile, die sich für Deutschland aus der Übernahme des Oberkommandos ergaben, urteilen wie man will; die Thatsache ist jedenfalls unanfechtbar, daß es Deutschland ge­lungen ist, sich in wenigen Jahren eine derartige Machtstellung in Ost-Asien und in der Weltpolitik überhaupt zu erobern, daß die Staaten ihm, wenn auch gewiß nicht immer gern, den Vortritt lassen mußten. So viel hat der Verlauf des chinesischen Feldzuges ergeben, daß Deutschland bei den gegebenen Verhältnissen seiner Stellung unter allen Umständen Ehre gemacht hat. Ich nehme daher nicht viel voraus, wenn ich bereits jetzt auf Grund der in diesem 4. Buch behandelten Entwickelung erkläre, daß wir keine Ur­sache haben, uns darüber zu beklagen, wie wir drüben in Ost-Asien

Zabel, Deutschland in China. 6