6. Abschnitt.
Die chinesische Frage eine interne Frage der IVeltpolitik.
Das im vorigen Abschnitt geschilderte Chaos der auf China angewendeten politischen Programme hat es in letzter Hinsicht verschuldet, daß in der Diskussion über China dieses selbst als aktiver Faktor stark in den Hintergrund trat. Der chinesisch-japanische Krieg hatte der Welt die Augen darüber geöffnet, daß China militärisch bis dahin absolut unfähig war, einer modern ausgerüsteten und geschulten Kriegsmacht auf die Dauer Widerstand zu leisten. Wie man nun so häufig aus einem Extrem in das andere fällt, so auch hier. Man begann China, das man bis dahin immer mit zu großem Respekt betrachtet hatte, nunmehr allzusehr über die Achsel anzusehen. China spielt in den Diskussionen der letzten sechs Jahre eigentlich immer nur die Rolle eines willen- und machtlosen Objektes, eines Dinges ohne eigene Impulse und Widerstandskraft. So kam es, daß man darüber das Eine stark aus dem Auge verlor, daß nämlich China in der ganzen chinesischen Frage eigentlich doch den Hauptsaktor bildete, und daß man über einen Gegenstand nicht eher losen kann, als bis man ihn faktisch besitzt. Die Kehrseite dieser Erscheinung war nun freilich günstiger, nämlich insosern, als man sich daran gewöhnte, die chinesischen Fragen nicht mehr als Fragen einzelner Mächte China gegenüber zu behandeln, sondern als interne Fragen der Weltpolitik, deren Entscheidung bei der Gesamtheit der an China interessierten Mächte liegt. Diese beiden Faktoren wirkten zusammen, um nach der einen Richtung hin eine gewaltige Enttäuschung, nach der andern aber die Festsetzung eines Grundsatzes herbeizuführen, der unter den gegenwärtigen Verhältnissen als der einzig richtige betrachtet werden