5. Abschnitt.
„Aufteilungspolitik", „Politik der Interessensphären" und „Politik der offenen Thür".
Wir nähern uns mit der Behandlung dieser Fragen den neuesten Abschnitten der ostasiatischen Politik. Die hier mitgeteilte Darstellung nimmt daher mehr und mehr das Recht für sich in Anspruch, als Sache der persönlichen Anschauung und Auffassung behandelt zu werden. Aktenmäßiges Material darüber ist nicht zugänglich und in absehbarer Zeit auch nicht zu erlangen. Man Wird also den Wert der hier mitgeteilten Auffassungen, je nach der persönlichen Stellungnahme des Lesers, entweder in ihnen selbst oder aber in der Anregung zu suchen haben, die dem Leser gegeben wird, um überhaupt zu einer Klärung der hier behandelten Vorgänge zu gelangen. Denn eine verständige und verständnisvolle Stellungnahme in diesen Fragen ist dem Staatsbürger heute mehr denn je notwendig, in einer Zeit, in der eine kurzsichtige innere Parteipolitik im Begriff ist, die in einer mehr denn dreißigjährigen mühevollen Arbeit vorbereiteten Erfolge des gewerblichen Deutschlands in Frage zu stellen.
Man darf bei der Beurteilung der Stellungnahme der Vertragsmächte zu China besonders in der jetzt zu behandelnden Epoche nicht aus den Augen lassen, welche Motive die Staaten bewogen haben, an der Entwickelung der ostasiatischen Dinge ein intensives Interesse zu nehmen. Wir wissen alle, daß diese Motive zwar verschieden geartet sind und verschieden zum Ausdruck kamen, aber bei allen Vertragsstaaten kommen sie schließlich hinaus auf die Absicht, daß jeder einzelne für sich und seine Staatsangehörigen nach Möglichkeit die größten materiellen Vorteile aus seiner Chinapolitik
Zabel, Deutschland in China. 5