3. Abschnitt.
Europa als Erzieher.
Japan war ein gelehriger Schüler in abendländischer Kultur. Die Zeiten des Beginns der wirtschaftlichen Erschließung Japans liegen ungefähr in denselben Jahren, in denen der Abschluß der Handelsverträge mit China durch England vorbereitet wurde. Während aber die Bemühungen bei China auf unfruchtbaren Boden fielen, bildeten sie für Japan den Anfang einer rapiden Entwickelung, die es vermocht hat, dieses Land innerhalb von fünfzig Jahren zur ostasiatischen Vormacht zu erziehen, die von den europäischen Mächten durchaus als gleichstehend behandelt werden muß. Es ist genug über den Gang dieser Entwickelung in Japan geschrieben worden, und uns interessiert ja hier schließlich auch nur die Analogie zu China und die Beziehung, in die der auf neuen Grundsätzen aufgebaute japanische Staat späterhin zu China getreten ist. Betrachtet man vom Standpunkte der Gegenwart aus das Erziehungswerk der Staaten an Japan, so kann man leicht bemerken, wie sich die Zahl derjenigen mehrt, welche dieses ganze Erziehungswerk als eine falsche Spekulation bezeichnen. Es ist ja nun allerdings fraglich, ob die europäischen Mächte in der Lage gewesen wären, das Aufblühen der japanischen Intelligenz und Thatkraft zu hindern oder in engere Grenzen einzuschließen. Man ging wohl abgesehen von der Pufferstaatentheorie von dem Gesichtspunkt aus, daß es für einen modernen Handelsstaat von Wert sei, wenn die Macht, mit der man einen Handelsvertrag abschließt, in sich selbst die Garantie bietet für eine ungehinderte Erfüllung der aus dem Handelsvertrag resultierenden Handelssicherheit. Freilich hätte man den Gang der Entwickelung in Japan wohl verzögern können, und schließlich ist es ja auch die Aufgabe einer gesunden Politik, allzu rapide Wirt-