Neununddreißigstes Kapitel.
Die Baumwolle in den deutschen Kolonien.
Nachdem wir aus Vorstehendem zur Genüge gesehen haben, wie die Baumwolle in stetem Steigen begriffen ist und wie die Baumwollproduktion dieser Nachfrage nicht mehr so recht nachkommen Kann, so daß eine Förderung der Baum- wollkultur nicht nur wirtschaftliche, sondern in hohem Grad sogar politische Bedeutung hat, war es für unsere leitenden Staatsmänner eine Notwendigkeit, auf die Wichtigkeit hinzuweisen, in den afrikanischen Kolonien Versuche mit dem Anbau von Baumwolle zu machen, um dieselben schneller zu einer Prosperität zu bringen und die deutsche Textilindustrie nicht mehr nur von der aus dem Ausland bezogenen Rohbaumwolle abhängen zu lassen.
Der Vater dieses Gedankens war Fürst Bismarck, der im Anschluß an eine diesbezügliche Abhandlung vom 17. September 1889 in den „Berliner Politischen Nachrichten" den damaligen Gouverneur von Kamerun, Kerrn von Soden, aufforderte, sein Gutachten hierüber zu äußern. Nachdem dem Reichskanzler berichtet wurde, in welchem Umfang Baumwolle daselbst wild gedeiht und welche Erfolge Kleine Versuche von privater Seite gezeitigt hatten, ließ er in den Vereinigten Staaten nach einem geeigneten Sachverständigen Umschau halten. Im Mai 1890 wurde ein solcher zuerst nach Togo, dann nach Kamerun entsandt. Es stellten sich zunächst große Schwierigkeiten in den Weg; die Eingeborenen interessierten sich nicht genügend für den Anbau, die Transport-