Druckschrift 
Die Baumwolle : ihre Kultur, Ernte, Verarbeitung und der internationale Baumwollhandel ; nach "Cotton" von Ch. W. Burkett und Cl. Hamilton Poe unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Kolonien als baumwollproduzierendes Land / übers. und bearb. von C. Heine
Entstehung
Seite
75
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Zehntes Kapitel.

Arten und Einteilung der Baumwolle.

In einem früheren Kapitel haben wir angeführt, daß alle Pflanzen und Tiere die Neigung haben, von den sie charak­terisierenden Eigenarten abzuweichen, wenn sie auf andere Felder, in anderes Klima und in andere Umgebung gebracht werden. Die Baumwolle ist allen Einflüssen außerordent­lich zugänglich, und zwar in einem solchen Grade, daß tatsächlich in Amerika mehr denn einhundertundfünfzig ver­schiedene Abarten gezählt werden. Nicht alle diese verschiedenen Bezeichnungen haben auch eine andere Abart zum Gegenstand, öfters wird ein und dieselbe Spielart in verschiedenen Gegenden, ja manchmal auf ein und demselben Territorium mit verschie­denen Namen bezeichnet, wodurch leicht eine große Konfusion entsteht. Ein derartiger Mißbrauch wird in Amerika nicht allein mit der Baumwolle, sondern auch mit Roggen, Weizen und anderen Bodenerzeugnissen getrieben.

Dieser Wirrwarr entsteht gewöhnlich dadurch, daß eine neue, von der bisherigen abweichende Eigenschaft an einer Pflanze entdeckt wird. Schon hält sich der Pflanzer für be­rechtigt, ihr einen neuen Namen zu geben! Bei der Baum­wollpflanze Kann der Unterschied in größerer Länge oder Feinheit der Faser oder in größerem Ertrage an Lintbaumwolle oder Samen oder auch in beidem liegen; ferner in früherer oder späterer Reife und in der Form der Kapsel, endlich auch im Wachstum.

Wie auch diese neue Eigenschaft sein möge, jedenfalls ist nicht immer ein neuer Name gerechtfertigt, es sei denn, daß