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wird das Feld bestellt. Gesät wird etwa Mitte November, in der Regenzeit. Anderseits sagte mn Tsara auch: Mais wird etwa Mitte Juni gesät, wird alle 8 Tage einmal begossen, indem man in Kürbisgefäßen Wasser herbeiträgt, und wird m 3I/0 bis 4 Monaten reif. In der lat standen Mitte September 1906 die Mtamafelder in Stoppeln, die Maisfelder noch frisch, nicht geerntet, aber bald reif. Anderseits sah ich im März Mtama, Mais, Fennisetum und Eleusine auf den Feldern stehen. Auch Mais und Bohnen sah ich reihenweise abwechselnd gepflanzt. Im Land dei Mama Isara Fruchtwechsel: 1. Jahr Mais und
Bohnen, 2. Jahr mtama und künde (Bohnenart), 3. Jahr bassoro (Pennisetum). Dort gibt es keine Trockenzeit, daher auch kein Begießen der Feldei.
Ernte : Die Maiskolben werden ausgebrochen. Die Blätter und Stengel fressen dann die Rinder.
Die Feldfrüchte werden in den etwa halbkuge- ligen Schilfkörben (Sammlung Nr. 45), laguänti, heimgetragen, von den Männern auf dem Ivopf, von den Weibern auf dem Rücken wie ein Rucksack. Doch müssen sie dann etwas gebückt gehen.
Die Feldfrüchte werden auf die flachen Temben- dächer gelegt zum Trocknen, die verschiedenen Früchte in getrennten Haufen (Tafel I, Abb. 2, 3, 4). Bohnen sind nach einem Monat, die andern Feldfrüchte nach zwei Monaten trocken. Nach dem Trocknen werden sie enthülst (siehe unten).
Das Land (siehe S. 99) wird an den ältesten Sohn vererbt.
Feld schütz : Am Bassota Merka sind die dem See zunächst gelegenen Felder mit Dornen eingehegt, damit die Nilpferde nicht hineingehen.
\ o g e 1 s c h e 11 c h e n : a) Überall stehen
etwa 2 m hohe Gestelle (ebenes Lehmdach wie das einer Tembe, auf Pfählen) in den Feldern, auf denen zur Reifezeit ein Mann sitzt und die Vögel vertreibt durch Rufen, Lärmen oder indem er mit einer Schnur
peitscht oder mit Erdschollen nach ihnen wirft, h) Es werden Kürbisschalenscherben an den Mtama- lialmen befestigt, die vom Winde bewegt ein Geräusch machen, wodurch die Vögel verscheucht werden sollen, c) (Nur einmal gesehen.) Eine Reihe von hohen Stäben oder Gerten steckt locker im Boden, darüber ist eine Schnur gelegt. Es sieht aus wie eine Telegraphenleitung, jedoch kann die Schnur durch Ziehen hin- und herbewegt und dadurch auch die Telegraphenstangen hin und her gebogen werden. Diese Leitung geht von der lembe ins Feld, so daß der Besitzer, vor der Tür sitzend, die Leitung in Bewegung setzt. Dadurch
werden auch die Mtama- oder Maishalme hin und her bewegt und ziemliches Geräusch verursacht. Enthülsen der Frucht: Bohnenkerne
werden aus den Hülsen ausgetreten, die Hülsen an die Schafe verfüttert, die Kerne in Khundigefäßen aufbewahrt. Getreide wird von den Frauen durch Stampfen mit Holzstangen enthülst, in hölzernem Mörser (Kune), der nur zum Enthülsen, nicht zum Mahlen dient. Gemahlen wird von den Frauen mit Reibsteinen.
Genußmittel.
T a b a k wird vereinzelt gepflanzt, viel gebraucht zum Schnupfen, nicht zum Rauchen. Ob auch Frauen schnupfen, nicht beobachtet. Haschisch und Betel dürften den Irakuleuten unbekannt sein.
Berauschende Getränke: büra wird aus mangore 1 ) (Mtama) gemacht. Körner in Wasser auf ge weicht, in die Sonne gestellt, dann getrocknet und gemahlen. Das Mehl wird in Wasser geschüttet und vier Tage stehen gelassen, dann ist büra fertig.
dangali: Honig wird in Wasser getan, der
Schmutz abgeschöpft, in Ktirbisflaschen ans Feuer gestellt, wo das Getränk in neun Tagen heae, ,,scharf“, wird, am zehnten Tag getrunken, dangali wird angesetzt, wenn einer sein Feld beackert, und getrunken, wenn er damit fertig ist. Bei andern Gelegenheiten nicht. Aber beim mangi (Häuptling) wird jeden Tag dangali gemacht und von ihm, den Akiden und der Verwandtschaft getrunken, auch von Weibern.
büra machen sich die Leute selbst, so oft sie Lust haben, bringen aber die Hälfte davon dem mangi oder der Mama Isara. Ebenso erhält er eine Abgabe vom dangali.
Der Genuß scheint mäßig zu sein, niemals sah ich Gelage, wie bei den Wadschagga täglich. Importierten Schnaps gab es 1906/07 Gott sei Dank noch nicht.
Musik und Tanz.
Die folgenden Tänze ließ Isara eines Tages uns in der angegebenen Reihenfolge vormachen. Die meisten sind Kreistänze (d. h. die Tanzenden sind in einem großen Kreis aufgestellt, in der Mitte die Einzeltänzer oder die Musik). Die allgemeine Tanzbewegung ist nicht der Hopsschritt, den wir bei den Wadschagga und Leuten von Aruscha sahen, sondern ein Emporhüpfen gleichzeitig auf beiden Beinen ohne Fortbewegung. Es wird nicht hoch gehüpft und nur wenig in die Kniee gesunken.
x ) Angabe von Dschagwe. Warum heißt das Mtama hier nicht balang (S. 99)?. Andere Art, anderer Zustand dei