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Kleidung.
Die Leute sind stets bekleidet, außer kleinen ' Kindern. Thlau (Thlaw) wurden die Ledergewänder ' sowohl der Männer (Sammlung Nr. 29) als auch j der Weiber (Nr. 40) genannt. Letztere mehr mit | Perlen (Kwässu) bestickt. Die meisten Männer j tragen jedoch jetzt erdbraungefärbtes Baumwoll- | tuch, das sie ebenso über die rechte Schulter j schlagen wie ehedem die Ledergewänder.
Beim Tanzen hatten sie es nur um die Hüften, j bis zum Knie reichend, Oberkörper frei. Doch zu- j letzt, als es kühl wurde, bedeckten sie auch beim | Tanzen den Oberkörper. Isara hatte seiner Mutter j und seiner Frau scheußliche buntgemusterte Kattun- j kleider gekauft. j
Mode: Die grünen Glasperlen sind einmal von ! einem Inder ins Land gebracht worden und seitdem j sehr beliebt.
Kopfbedeckung niemals gesehen, außer Häupt- , ling Tsara (S. 98).
Waffen.
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Speere, Nr. 37 der Sammlung, Lauala. Harmahai ! = Schaft. Lauala = Blatt, mit Ziegenleder am Schaft befestigt. Komathi = Eisenspange zum Aus- j balanzieren. Andere Speere haben auch einen richtigen Schuh = Geshubene. Pfeile haben Eigentumsmarken.
Jagd, Viehzucht, Ackerbau.
Die Jagd wird ausgeübt mit Speeren, mit Bogen und Pfeilen (vergiftet!), und zwar auf Kongoni, Swala (Kuhantilope und kleine Antilopenarten), ehemals auf Giraffe und Zebra (auf letztere Tiere heute vom Gouvernement verboten). Kurz vor unserer Ankunft war, nach Mitteilung des Postenchefs, ein Leopard erlegt worden, indem die Leute ein Kesseltreiben veranstalteten und ihn mit den Speeren erstachen. Früher legte man Fanggruben fürs Wild an, das ist aber jetzt amtlich verboten. Flinten waren Anfang 1907 noch nicht vorhanden. Von Fischfang habe ich trotz des Reichtums an kleinen Bächen nichts gehört und gesehen.
Haustiere: Rinder jekwa._ Schafe be’ang,
Ziegen ara. Esel dogwai. Hühner könga. Katze maitzi.
Die Esel dienen als Lasttiere, um bei Hungersnot Mtama aus anderen Ländern zu holen. Jede Familie hat eine Katze zum Rattenfangen. Hühner zahlreich (habe nirgends in Ostafrika soviel Hühner gesehen wie hier). Ein Mann hat 3 bis 40 Rinder, manche noch mehr.
Zur Gewinnung des Rinderbluts (S. 98) wird die Halsader abgeschnürt und dann mit besonderem Bogen und Pfeil angeschossen.
Gäle der Bogen, Sahara (Sakhara) der Pfeil. Nr. 32 und 33 der Sammlung.
Unteroffizier Scheffel sagte mir, die Tiere wüi den nicht geschlachtet, sondern erwürgt, weil die Leute kein Blut sehen dürfen. Der Mist des Viehs wird zum Trocknen vors Haus gelegt und dann dem Vieh als Streu untergelegt.
Der Ackerbau ist sehr entwickelt. Sorgfältiger Anbau. Auf einzelnen Hügelrücken sind wohl 95 c / 0 des Areals bebautes Feld! Nur die Temben dazwischen und der zugehörige freie Raum. Das Ackerland eines gewöhnlichen Mannes etwa 250 m im Quadrat, also etwa 6 ha. Tembe in der Nähe. Geackert wird von Männern, Frauen und großen Kindern. Samen von Männern und Frauen eingesteckt, und zwar von Mtama 8, Mais 4, Bohnen 3, Wimbi viel, Bassoro 30 Körner in ein Loch. Die Löcher in einer Reihe. Geerntet wird von Männern und Knaben, nicht von Frauen. Die Frauen enthülsen das Getreide und mahlen es. Wasser zum Begießen (nur bei Isara, im Lande der Mama Isara regnet es das ganze Jahr hindurch, dort wird nicht künstlich bewässert) der Felder bringen Männer, Weiber und Kinder in Kiirbisflaschen heran. Dursai, Holzstöcke, etwa 1,10 m lang, zum Aufstechen des Grasbodens, wenn auf vorher unbebautem Land ein Acker angelegt wird. Kurmu, Hacke mit Eisenblatt, das in den Holzstiel schräg eingelassen ist (Sammlung Nr. 36), und Toagono, hölzerne Hacke (Nr. 46). Damit werden die Furchen ausgekratzt. Die eiserne Schaufel der Kurmu (Hacke) wird von Irangi oder Umbugwe gekauft.
Feldfrüchte: balang (Mtama, Sorghum)
bei weitem vorherrschend, aito (Mais) und bassoro (Pennisetum) häufig, bambare (Eleusine coracana) weniger häufig. Amu (Kürbisse, Cucurbita maximal. Vereinzelt Tabak. Süßkartoffeln (nach .Scheffel). Wenn ich mich recht erinnere, standen im unteren Mtungurital, in der Gegend des Jmnben Dafi, auch einige Bananenpflanzungen an geschützten Stellen. Losi, eine Bohnenart.
Äcker rechteckig. Saat in Reihen, die wenigstens im Land der Mama Isara in der Isohypse gezogen sind. Nach dem Auf ackern mit dei hölzeinen Hacke (toagono) wird mit Rindermist gedüngt. In Mburu pflanzt man nach Isaras Angabe alljährlich auf jedem Acker gleichzeitig Mais, Bohnen (maragwe, Kisuaheli), mtama reihenweise nebeneinander, immer eine Reihe Mais, eine Bohnen, eine Mtama. Kein Fruchtwechsel. Nur einmal jährlich
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