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<ren wesentlich an Sicherheit gewonnen. Der geringe Gewinn aber, der sich durch noch häufigere Siedethermometcrinessungen hätte erzielen lassen, würde der für die Beobachtungen aufgewandten Zeit und Mühe nicht entsprochen haben. In der Pegel ließen sich die Korrektionen der Aneroidc, auch wo sie sich zwischen zwei zeitlich entfernten Siedethermometermessungen änderten, durch den Vergleich der drei Aneroide hinreichend bestimmen. Mur in den Höhen, wo a nicht mehr ausreichte und nur ß und y verglichen werden konnten, entstehen trotz der gerade in diesen Höhengegenden häufigeren Siedethermometermessungen größere Unsicherheiten. Es ist also ratsam, drei Aneroide mitzunehmen, die alle drei bis zu den höchsten in Frage kommenden Höhen reichen. Wo die Kontrolle durch den Vergleich dreier Aneroide fehlt, sind viel häufigere Siedethermometermessungen erforderlich.
Bei den Siedethermometermessungen hat sich häufig herausgestellt, daß die erste Beobachtung des Satzes zu niedrig ausfiel, was ja auch Kohl- schütter und andere Beobachter herausgefunden haben. Bisweilen fiel die letzte zu niedrig aus; da hat offenbar der Beobachter in einer gewissen Ungeduld zu früh die Messung beendet. Manchmal fügten es die Umstände, daß nur ein Aneroid mit den Siedethermometern verglichen werden und die Korrektionen der anderen erst nachträglich durch den Vergleich mit diesem bestimmt, werden konnten. Das sollte man möglichst vermeiden, weil das kontrollierte Aneroid in der Zwischenzeit wieder eine unkrontrollierbare Änderung erleiden kann. Manchen Beobachtungsreihen haftet infolgedessen eine größere Unsicherheit an.
Nach hohen Bergbesteigungen werden die Aneroide sozusagen krank und zeigen ganz unregelmäßige Abweichungen, erholen sich aber nach ein bis zwei Tagen wieder. Alsdann sollte man eine Siedethermometermessung anstellen, um die etwa veränderten Korrektionen zu bestimmen.
2. Die Auswertung der Beobachtungen.
Vor allem möchte ich an dieser Stelle Herrn Admiralitätsrat Professor Dr. K o h 1 s c h ü 11 e r herzlich danken für seine freundliche Unterstützung mit sachkundigem Rat, die er mir hei der Auswertung der Höhenmessungen reichlich zuteil werden ließ. Auch meinem Freunde, Professor Dr. Carl U h 1 i g , habe ich für manchen freundlichen Rat zu danken und Herrn Kapitän M a r t e n s dafür, daß er die zeitraubende Berechnung der barometrischen Höhen übernommen hat. Der Deutschen Seewarte schulde ich Dank für die Überlassung handschriftlichen Beobachtungsmaterials.
A. Befreiung von Instrumentalfehlern, r/. Siedethermometc r.
Zunächst wurden in einer Tabelle I alle Siedethermometerbeobachtungen und gleichzeitigen Ane- roidablesungen zusammengestellt und daraus die Aneroidkorrektionen abgeleitet. Folgende mitten herausgegriffene Stücke zeigen die Einrichtung der Tabelle. 1 )
Fs zeigt sich bei vielen Beobachtungen, daß auch nach Anbringung der Korrektionen der Prüfungsscheine noch Differenzen der beiden Siedethermometer vorhanden waren, die offenbar keine Bc- obachtungsfehler, sondern Tnstrumentalfehler waren. Die Beobachtung in Tramba, wo beide Instrumente stets um etwa i mm differieren, zeigt dies deutlich. Da die Siedethermometer die Grundlage aller Messungen sein sollten, galt es vor allem, deren Instru- ’mentalfehler zu ermitteln. Deshalb wurden die Thermometer 1020 und 1022 einer erneuten Prüfung in der Physikalisch - Technischen Reichsanstalt unterzogen. 1018, das bei der Mehrzahl der Messungen benutzt war, konnte leider nicht nachgeprüft werden, da es auf der Reise zerbrach.
Ich habe die bei den Prüfungen erhaltenen Ab- weichnungen graphisch dargestellt. Beide Instrumente zeigen nach der Reise höher als vorher. Sie sind wohl durch den Luftdruck etwas komprimiert worden. Wenn man aber die entsprechenden Kurven von der ersten und der zweiten Prüfung ineinanderschiebt, sind die Abweichungen nicht bedeutend. Unregelmäßige Änderungen der Thermometer haben also nur wenig stattgefunden und die vorhandenen mögen zum Teil auch nur scheinbar sein, auf der Abrundung auf Fünftelmillimcter beruhen.
Wann und wie hat die Änderung stattgefunden? Die regelmäßige Änderung hat wahrscheinlich ganz allmählich stattgefunden. Aber es ist immerhin möglich, daß sie auf der Reise, wo die Instrumente erschüttert wurden, schneller vor sich ging als nach der Reise. Ebenso gut aber ist es möglich, daß sie auf der Reise, wo der Luftdruck geringer war, langsamer vor sich ging als nach der Reise. Die unregelmäßigen Änderungen können an verschiedenen Teilen der Skala und erst recht hei den verschiedenen Instrumenten zu verschiedenen Zeiten stattgefunden haben. Anhaltspunkte geben die Vergleiche der Siedethermometer unterwegs. Bei der Messung am 9. Februar 1907 Ngorongoro, dei ersten, wo die Instrumente 1020 und 1022 verglichen wurden, stimmen die Thermometer mit den alten Korrektionen gut überein, mit den neuen viel
9 Die Tabellen stehen am Schluß dieses Abschnitts, S.49Ü.