Part 
T. 1 (1911) Aufgaben und Verlauf, die Karte, Ergebnisse der Sammlungen, Ethnographisches / von Fritz Jäger. Mit Beitr. von A. Wedemeyer ...
Place and Date of Creation
Page
23
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

cs sich, daneben noch die Wegaufnahme anzu­wenden. Vermöge der zahlreichen Punkte, die durch die Triangulation festgelegt sind und mit dem Kompaß angepeilt werden können, läßt sich eine solche Aufnahme recht genau einpassen. Diese Wegaufnahmen können oftmals dazu dienen, gerade solche Verhältnisse aufzuklären, die man von den hohen und entfernten Übersichtspunkten schlecht erkennen kann, z. B. manche Zusammenhänge des Talnetzes oder den genaueren Verlauf einzelner Täler.

Vorzüge.

Gegenüber einem Netz von Wegaufnahmen hat die Peiltischaufnahme zunächst den Vorteil be­deutend größerer Genauigkeit. Mit dem Diopter­lineal peile ich leicht auf 1 / 20 °, mit dem Kompaß aus der Hand höchstens auf 1 / 2 °, auf dem Stativ höch­stens auf Vio° genau. Die Längenmessung bei der Wegaufnahme ist vollends unsicher. Wenn sie bei größeren Entfernungen auf 3 % richtig wird, ist sie sehr gut. Meine Basis ist auf etwa Vsooo genau ge­messen, die Fehler in der gegenseitigen Lage der Netzpunkte sind im Vergleich zu denen der Weg­aufnahme verschwindend. Während bei Wegauf­nahmen starke Verzerrungen eintreten, liegen bei der Peiltischaufnahme über das Gebiet zerstreut Punkte in richtiger gegenseitiger Lage und die Ver­zerrungen bleiben beschränkt auf die kleinen Flächen zwischen den festen Punkten, in denen das Gelände ohne Messung eingezeichnet ist.

Den Hauptvorzug gegenüber der Wegaufnahme erblicke ich jedoch nicht in der größeren Genauig­keit, sondern in Folgendem: durch die Peiltischauf­

nahme erhält der Aufnehmer von zahlreichen Punkten aus eine gute Übersicht über das ganze Land. Er lernt dadurch seine Hauptzüge viel besser kennen, als durch die Wegaufnahme, die nur gar zu leicht an Einzelheiten kleben bleibt. Für den geo­graphischen Forschungsreisenden ist dies ein Punkt von größter Wichtigkeit. Diese Übersicht kann zwar auch der Wegaufnehmer gewinnen, wenn er auf die Berge steigt, was allerdings die wenig­sten bisher getan haben. Aber bei der Peiltischauf- nalnne wird die Übersicht dadurch viel klarer, daß sie gleich in einem richtigen Kartenbild festgehalten wird. Auf dem Peilblatt liegen die Hauptpunkte schon in richtiger gegenseitiger Lage fest und zwischen ihnen zeichnet der Aufnehmer die Topo­graphie ein. Es leuchtet ein, daß er dies viel leichter und mit viel größerer Sicherheit kann als der Weg­aufnehmer, der seine Kartenskizzen nach Schätzung und Augenmaß entwerfen muß, ohne die Hilfe vor­gezeichneter Punkte und Peilstrahlen. Erst nach­träglich kann er seine Karte konstruieren. Nehmen wir einmal an, was in Wirklichkeit lange nicht erreicht wird, er könnte dabei alle angepeilten Punkte ebenso genau festlegen, wie es durch die Peiltischaufnalnne geschieht. Dann muß er jetzt die Topographie nach seiner verzerrten Karten­skizze einzeichnen, während der Peiltischaufnelnner sie unter sonst gleichen Umständen nach der Natur einzeichnete und dabei noch den Vorteil genoß, jederzeit die Richtung eines Punktes durch eine Peilung genau festlegen zu können. Hier ist die Peiltischaufnahme der Wegaufnahme bedeutend überlegen.

V. Die Basismessung.

Die Basismessung wurde in Ngorongoro auf ebenem, mit kurzem Gras bewachsenen Boden aus­geführt. In Abständen von ungefähr 100 m wurden Stangen aufgestellt und mit dem Theodolit ein­visiert, zwischen diesen wurde ein Kokosseil straff gespannt und an dem Seil entlang mit dem Meßband gemessen. Anfangs- und Endpunkt des Meßbands wurden jedes Mal mit dem Daumennagel zu Boden gedrückt. Ich achtete sorgfältig darauf, den An­fangspunkt genau wieder da anzusetzen, wo mein schwarzer Gehilfe den Endpunkt noch mit dem Daumen festhielt. Die Basisendpunkte wurden durch senkrechte Pfähle mit Signalfahnen markiert. Die Messung wurde zweimal mit einem 25 m langen S p r e n g e r sehen ,,Idealmeßband mit Phosphor­

bronzedrahteinlage ausgeführt. Die erste Messung ergab den Wert Basis AB = 1107,92 m, die zweite Messung ergab BA = 1107, 58 m.

Das Meßband stellte sich später als 14 mm zu lang heraus. Da es vor und nach der Basismessung so gut wie gar nicht benutzt wurde, muß man an­nehmen, daß die Dehnung während der Messung entstand, namentlich während der zweiten Messung, wo es etwas straffer gespannt wurde. Die Dehnung macht für die ganze Basislänge 44Ü0 T 4 mm =62cm aus. Wäre bei der ganzen ersten Messung die Dehnung noch nicht vorhanden gewesen, so ergäbe sich 1107,92 m als Wert aus dieser Messung. Wäre bei der zweiten Messung die Dehnung von 14 mm schon von Anfang an vorhanden gewesen, so ergäbe